Caritas-Projekt für Obdachlose in Bremen

40 Frühstückstüten zum Mitnehmen

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Frühstückstüten werden befüllt
Nachweis

Foto: Caritas Bremen

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Ehrenamtliche in Bremen bereiten an zwei Tagen in der Woche Frühstück für Obdachlose zu.

Das Bremer Caritas-Projekt „Wärme auf Rädern“ wird nach 24 Jahren eingestellt. Freiwillige hatten in den Wintermonaten Eintopf und Heißgetränke an Wohnungslose und weitere Menschen mit geringem Einkommen verteilt. Nun gibt es ein anderes Betätigungsfeld für ehrenamtlich Engagierte: das „Schnoor-Anbiet“.

Die Caritas bedauert das Aus von "Wärme auf Rädern". Es handelte sich um ein ausschließlich aus Spenden finanziertes Projekt. „Sinkende Spendeneinnahmen zwingen uns, unsere Sozialprojekte zu überdenken“, sagt Caritasdirektor Martin Böckmann, versichert aber: „Mittags muss in Bremen niemand hungern. Es gibt mehrere Angebote mit kostenlosen Mahlzeiten für wohnungslose Menschen.“ Das sei vor 24 Jahren noch ganz anders gewesen.

Wer sich in Bremen weiter ehrenamtlich engagieren will, kann das im Sozialprojekt „Schnoor-Anbiet“ tun. Dort werden zweimal wöchentlich Frühstückstüten an Bedürftige verteilt. „Anbiet“ ist das plattdeutsche Wort für Frühstück, Schnoor heißt der Stadtteil, in dem die Frühstückstüten ausgegeben werden. Fragen an den Projektkoordinator Jens Jürgenbering.

Muss das „Schnoor-Anbiet“ die Lücke füllen, die „Wärme auf Rädern“ hinterlässt?

Nein, muss es nicht. „Wärme auf Rädern“ wurde eingestellt, weil sich rund um den Hauptbahnhof andere Projekte etabliert haben, die warmes Essen in der Mittagszeit anbieten und das sehr professionell tun, wie zum Beispiel die „Bremer Suppenengel“. Unsere Freiwilligen waren mit einem Fahrradanhänger unterwegs, beladen mit Eintopf, Brot und Heißgetränken, den sie mit Muskelkraft ziehen mussten. Außerdem war es eine Frage der Finanzierung. Wir hatten in all den Jahren einen großzügigen Spender, der jetzt aber seine Firma verkauft hat.

Essensausgabe
Frühstücktüten, Kaffee und Tee stehen bereit für die Ausgabe an Bedürftige. Foto: Caritas Bremen

Was steckt hinter dem „Schnoor-Anbiet“?

Zweimal wöchentlich bekommen wohnungslose Menschen und andere, die wenig Geld haben, ein kostenloses Frühstück im Pfarrheim der Propsteigemeinde St. Johann in der Kolpingstraße. Nach Absprache mit anderen kirchlichen Projekten, die auch Frühstück anbieten, haben wir uns für den Donnerstag und Freitag entschieden. Freiwillige Helfer kaufen morgens um 8 Uhr Brötchen, belegen sie mit Wurst und Käse, kochen Eier, Kaffee und Tee. Dann packen sie 40 Papiertüten – zum Mitnehmen. In jede Tüte kommen zwei Brötchen, ein Ei, ein Schokoriegel und ein Stück Obst. Die Idee ist übrigens in der Corona-Zeit entstanden und hat sich als gutes Konzept erwiesen. Ab 10 Uhr werden die Tüten verteilt. Zusätzlich gibt es ein Heißgetränk; Becher oder Thermoskannen bringen die Gäste selbst mit. Danach räumen die Ehrenamtlichen noch auf. 

Und Sie können noch ehrenamtliche Hilfe brauchen?

Auf jeden Fall. Es macht mehr Spaß, wenn man mit mehreren Leuten Brötchen schmiert und verteilt, dann muss niemand allein im Akkord arbeiten. 

Wie finanziert sich das „Schnoor-Anbiet“?

Im Moment aus Restmitteln von „Wärme auf Rädern“, das ist mit dem Spender so abgesprochen. Langfristig sind wir auf Suche nach weiteren Spendern. Das Projekt ist eine Kooperation des Bremer Caritasverbandes und der Kirchengemeinde St. Johann und wird unterstützt von der Vinzenzkonferenz Bremen.

Welche Erfahrungen machen Sie mit dem Projekt?

Sehr positive. Die Ehrenamtlichen haben einen sehr herzlichen Kontakt zu den Wohnungslosen. Sie kommen mit ihnen ins Gespräch und vermitteln oft weitere Hilfen. Wenn Anfragen bei mir landen, kann ich ein gutes Netzwerk nutzen, um Informationen weiterzugeben, da ich auch mit einer halben Stelle in der Bahnhofsmission arbeite. Oft sind es die gleichen Gäste, die zur Bahnhofsmission kommen und auch das „Schnoor-Anbiet“ kennen. 

Interessierte können sich bei Projektkoordinator Jens Jürgenbering melden: Telefon 01 62/1 08 15 07 oder E-Mail: j.juergenbering@caritas-bremen.de.

Anja Sabel
Zur Sache

Ein anderes Projekt, mit dem auch das „Schnoor-Anbiet“ kooperiert, ist die „Johannis-Oase“. Dafür hat der Sozialverband Deutschland (SoVD) Landesverband Bremen gerade 1000 Euro gespendet. Das Geld fließt in den Betrieb des Angebots, bei dem wohnungslose Menschen kostenlos Wäsche waschen und duschen können.

„Über einen Fernsehbericht haben wir von dem Projekt erfahren“, sagt Joachim Wittrien, Landesvorsitzender des Bremer SoVD. „Wir finden, dass es sich um ein tolles und unterstützungswürdiges Projekt handelt. Es erinnert uns daran, dass es nicht für alle selbstverständlich ist, den Wasserhahn aufzudrehen und duschen zu können.“ 

Caritasdirektor Martin Böckmann dankte für die Spende: „Mit den immer höheren Lebenshaltungskosten steigt die Zahl der Bremer in Not. Zugleich ist der Sozialabbau längst spürbar – sowie eine Veränderung in den Bereichen Freiwilligenengagement und Spendenbereitschaft. Umso wichtiger ist diese finanzielle Unterstützung.“ Werner Kalle gehört zum 14-köpfigen Team der Freiwilligen in der „Johannis-Oase“. „Wir benötigen neben Duschgel, Zahnbürsten und Waschmittel auch frische Unterwäsche und Handtücher. Größter Kostenfaktor sind allerdings die Energiekosten. Dafür können wir das Geld wirklich sehr gut gebrauchen.“

Die „Johannis-Oase“ ist ein Angebot der Propsteigemeinde St. Johann, der Vinzenzkonferenz  und der Caritas Bremen. Werktags von 10 bis 13.30 Uhr können Menschen ohne festen Wohnsitz bzw. mit geringem Einkommen die Duschen, Toiletten, Waschmaschinen und Trockner in der ehemaligen Sakristei des Propsteikirche St. Johann nutzen.