Yoga, Gesang und Erdbeersekt auf dem "Antonius-Eck"
Das Leben auf den Friedhof bringen
Foto: privat
Das "Antonius-Eck" in Messingen: Hier wurde auf der Fläche der früheren Friedhofskapelle ein neuer Ort für Begegnung und Gespräche geschaffen.
Vom Messinger Pfarrheim im südlichen Emsland aus gehen Marion Schmit, Lena und Doris Theilen nur ein paar Schritte – und stehen dann schon vor dem „Antonius“-Eck. „Das ist unser neuer Platz auf dem Friedhof“, sagt Schmit, die wie Lena Theilen und ihre Mutter dem Pastoralrat bzw. Pfarrgemeinderat angehören. Auf zwei Seiten wird die Fläche von Grabstellen eingerahmt, auf einigen davon stellen andere Gäste gerade frische Blumen in die Vasen. Zum „Antonius-Eck“ führt ein gepflasterter Weg – zuerst zu schlichten Holzbänken, die im Halbrund aufgestellt sind und damit nicht ganz zufällig an einen Chorraum in der Kirche erinnern. Weiter hinten gliedern Beete, Büsche und weitere Bänke den ansonsten mit viel grünem Rasen gestalteten Ort.
Rundherum führt ein schmaler Weg, der einem Kreuz gleich – und dem Umriss der früheren Friedhofskapelle. Denn bis vor drei Jahren stand die genau an dieser Stelle. „Aber sie war alt, konnte nicht mehr renoviert werden und wurde abgerissen“, erzählt Schmit. Stattdessen gibt es nun in Messingen einen Abschiedsraum in der ehemaligen Sakristei der St.-Antonius-Kirche. Rasch gab es dann in Gremien der Gemeinde Überlegungen, was mit dem Grundstück der Kapelle passieren soll.
"Hier trifft man eigentlich immer jemanden"
Weitere Grabstellen, eine wilde Wiese oder gar einfach nur ein Geräteschuppen: Das sollte es laut Schmit, Lena und Doris Theilen aber nicht werden. Und so entwickelte sich nach dem Rückbau der Fläche schnell die Idee, daraus einen Ort zu gestalten, der „den Toten und Lebendigen gerecht wird. Wir wollten das irgendwie mit Leben füllen“, sagt Schmit. Alle drei Frauen erzählen, dass der Friedhof wie in vielen anderen Dörfern auch ein wichtiger Raum der Begegnung und Kommunikation ist. „Hier trifft man eigentlich immer jemanden und kommt ins Gespräch“, sagt Doris Theilen. Und warum sollte man daraus nicht auch mehr machen und damit vielleicht sogar Menschen anders erreichen?
Auch Alwine Röckener, Krankenhausseelsorgerin und Trauerbegleiterin, war es wichtig, nach Abriss der Kapelle den Ort zu würdigen und ansprechend zu gestalten. Tod und das Sterben dürfen wir ihrer Ansicht nach nicht „außen vor lassen, sondern müssen es ins Leben integrieren“. Das geht in die eine, wie auch in die andere Richtung. Also auch das Leben auf den Friedhof zu holen.“
Für Röckener sind Friedhöfe wichtige Orte der Begegnung im Dorf. „Natürlich bestatten wir dort unsere Verstorbenen, und natürlich ist es ein Ort, der mit Trauer und Verlust verbunden ist.“ Diese Themen gehören nach ihren Worten zum Leben, sind Teil unseres Lebens und nicht etwas „Abgetrenntes“. „Deshalb möchten wir die Menschen in diesen Situationen des Lebens ernst nehmen und Angebote machen wie Trostgespräche, aber auch deutlich machen, dass auf einem Friedhof noch viel mehr möglich ist. Mal schauen, welche Ideen uns in den kommenden Jahren einfallen.“
Trostgespräche und Yoga
Und die 14 Angebote, die von Ende Mai bis Ende Oktober reichen, kommen offenbar gut an. „Wir haben Leute gesehen, die bei anderen Veranstaltungen der Gemeinde sonst vielleicht nicht immer dabei sind“, sagt Doris Theilen. Das Programm ist dabei bewusst vielfältig entworfen. Alwine Röckener bietet fünf Mal am Freitagnachmittag „Trostgespräche“ auf der halbrunden Bank an: ganz unkompliziert mit Kaffee und Keks, ohne Anmeldung. Der Kreis der Wortgottesdienstleiterinnen und -leiter lädt ebenfalls fünfmal am Montagabend zur Wortgottesfeier ein: unter freiem Himmel, mit wechselnden Themen. Andere Veranstaltungen sind bewusst noch offener gehalten. Im Juni gab es zur Erdbeerzeit einen Segen mit einem Glas fruchtigem Sekt, im Juli entspannendes Yoga als eine andere Art, Gott zu begegnen.
Jetzt im August steht noch ein Picknick-Gottesdienst besonders für Familien auf dem Programm und Mitte September ein „Sundowner“: ein von Impulsen begleiteter Abendspaziergang, zu dem es am Ende auf dem Antonius-Eck einen spritzigen Schluck gibt. Und vermutlich genau die Begegnungen, die sich die Messingen dafür wünschen: zugewandt, freundlich, mit einem Lächeln und guten Erinnerungen an liebe Verstorbene.
Am 23. August beginnt um 10 Uhr auf dem "Antonius-Eck" auf dem Friedhof bei der katholischen Kirche in Messingen (südliches Emsland) ein Picknick-Gottesdienst für Familien.
Jeweils montags um 19 Uhr gibt es dort am 24. August, 28. September und 12. Oktober eine Wortgottesfeier. Zu Trostgesprächen mit Kaffee und Keksen können Gäste ohne Anmeldung freitags zwischen 16 und 17.30 Uhr kommen: am 28. August und 25. September.
Am 17. September gibt es um 19 Uhr den "Sundowner": einen Abendspaziergang ab dem "Antonius-Eck".