Hilfsaktion des Bistums Osnabrück

Die Heimat wieder aufbauen

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Bienenbücher
Nachweis

Foto: Thomas Osterfeld

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Generalvikar Ulrich Beckwermert (links), Schwester Makrina Finlay und Gemeindeleiter Dominik Blum freuen sich über die Spende.

Dem Volk der Jesiden eine Rückkehr ins Shingal-Gebirge im Nordirak ermöglichen – das möchte der Verein „Regenerate Shingal“. Schwester Makrina Finlay hat ihn mit Freiwilligen aus der Umgebung des Klosters Dinklage gegründet. Das Bistum Osnabrück unterstützt die Aktion und spendet zwei dringend benötigte Bienenvölker.

„Hier müssen wir helfen!“ Das war Schwester Makrina Finlay schnell klar, als sie vom Schicksal jesidischer Familien aus dem Nordirak erfuhr, die sie übergangsweise im Kloster Dinklage beherbergte. Während der Flüchtlingswelle öffneten die Benediktinerinnen vor zehn Jahren ihre Klostertore für Geflüchtete – und erfuhren dabei in vielen Gesprächen hautnah von Unterdrückung und Völkermord, der die Jesiden zur Flucht zwingt. Schnell wurde der Oberin klar: „Bei diesen Menschen geht es um mehr als Einzelschicksale. Hier soll eine ganze Kultur ausgerottet werden.“

Und zwar eine Kultur, mit der sie sich als katholische Christin sehr verbunden fühlt: „Die Jesiden haben eine ganz alte Religion mit abrahamitischen Wurzeln. Das sind eigentlich auch unsere Wurzeln“, erklärt die 47-Jährige. Seit mehreren Jahren beschäftigt sie sich mit dieser Kultur, setzt sich für die Jesiden ein, ist für sie Ansprechpartnerin geworden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Die Benediktinerin spricht inzwischen fließend Kurmandschi. Sie betont: „Es ist wichtig, dass wir uns verständigen können, irgendwann auf Deutsch, aber auch in der Muttersprache der Menschen, die sonst alles verloren haben.“

Hier soll eine ganze Kultur ausgerottet werden.

Mehrmals reiste die Ordensfrau bereits in die Region um das Sindschargebirge im Nordirak, wo Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“ Städte und Dörfer zerstörten, mehrere Tausend Menschen der religiösen Minderheit ermordeten, vergewaltigten und versklavten. Die Region wurde unbewohnbar gemacht: Haustiere wurden getötet, uralte Olivenhaine abgebrannt und Brunnen verschüttet oder vergiftet.

Heute kehren jesidische Familien langsam in ihre Heimatdörfer zurück und versuchen, dort wieder Fuß zu fassen. Dabei hilft ihnen der Verein "Regenerate Shingal", den Schwester Makrina mit Freiwilligen aus der Umgebung des Klosters gegründet hat. Zu ihnen gehört auch der Artländer Pfarrbeauftragte Dominik Blum aus Quakenbrück. „Wir kennen die jesidischen Mitmenschen in Dinklage schon seit Jahren. Einige haben sich hier ein neues Leben aufgebaut und Arbeit gefunden. Viele aber wollen zurück in ihre Heimat“, sagte er. Dafür müsse sich die Region rund um den heiligen Berg Shingal (oder Sindschar) im Nordirak aber erst regenerieren. „Die Menschen müssen Bäume pflanzen, Vieh kaufen, Getreide anbauen. Und sie brauchen Bienenvölker, sonst gibt es keine Ernte“, erzählt Blum.

Mit zwei Bienenvölkern unterstützt nun auch das Bistum Osnabrück diesen ökologischen Wiederaufbau. Symbolisch überreichte Generalvikar und Hobbyimker Ulrich Beckwermert ein Glas seines Honigs an Schwester Makrina. „Ich bin froh, wenn die Bienen im Shingal-Gebirge den Honig bald wieder selber produzieren können“, sagt er mit Blick auf das gespendete Geld, für das der Verein die Bienenvölker vor Ort besorgen kann. Für Schwester Makrina ist dies ein weiterer großer Schritt beim Wiederaufbau. Die aktive Ordensfrau betont: „Ich bin sehr froh. Dies ist noch ein Schritt in Richtung Leben. Und das ist toll.“

Astrid Fleute

Wer sich am Wiederaufbau des Lebensraums der Jesiden im Nordirak und der Regeneration des Shingal-Gebirges beteiligen möchte, findet alle Informationen dazu auf der Internet-Präsenz des Dinklager Vereins.