Erinnerung an Pfarrer Gustav Görsmann

Ein Wörterbuch als Dauerleihgabe

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Wörterbuch Pfarrer Görsmann
Nachweis

Foto: privat

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Wegen seiner Kontakte zu französischen Kriegsgefangenen wurde Pfarrer Gustav Görsmann von den Nazis verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort starb er 1942. Sein Wörterbuch, das er sich zulegte, um sich mit den Kriegsgefangenen verständigen zu können, ist als Dauerleihgabe in der Pfarrkirche in Hagen-Gellenbeck ausgestellt.

„Sag’s auf Französisch“ – so lautet der Titel eines Wörterbuches, das sich Gustav Görsmann, der erste Pfarrer der Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt in Hagen-Gellenbeck, im Oktober 1940 zugelegt hatte, um sich mit französischen Kriegsgefangenen verständigen zu können. Der Kapellenverein zu den Sieben Schmerzen Mariens e.V. stellt der Kirchengemeinde das Wörterbuch nun als Dauerleihgabe zur Verfügung.

Bis vor zwei Jahren befand es sich im Besitz von Görsmanns Großneffen Peter Recker im französischen Auribeau-sur- Siagne. Recker schenkte dem Kapellenverein das kleine Büchlein samt Notizen des Pfarrers. Dazu schrieb er: „Nur schwer trenne ich mich von den Zeugnissen, die mein Großonkel aus der Zeit gegen Ende seines Lebens hinterlassen hat. Aber in der Gewissheit, dass sie aus meinen in die Hände von Menschen wechseln, die am Ort seines Wirkens mit steter Hingabe das Gedenken an ihn bewahren, veranlasst mich, diese Zeugnisse dem Archiv des Kapellenvereins zu übergeben. Ich bin mir dessen gewiss, dass sie dort auf eindrückliche Weise der Erinnerung an Pfarrer Gustav Görsmann dienen werden.“ 

In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt gibt es im hinteren Bereich, neben dem Schriftenstand, eine Vitrine. Dort liegen unter anderem Hammer und Kelle, die bei der Grundsteinlegung der Kirche genutzt wurden, sowie eine Madonna, von Pfarrer Görsmann geschnitzt. Der Kapellenverein hat beschlossen, das Wörterbuch dort als Dauerleihgabe auszustellen. Im Beisein von Pfarrer Hermann Hülsmann und Michael Frenkel vom Kirchenvorstand, der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Ingrid Keiser sowie Karin Frese und Nikolai Polkowski vom Kapellenverein wurde dieses Vorhaben Anfang Mai in die Tat umgesetzt. 

Wörterbuch
Das Wörterbuch von Pfarrer Görsmann. Foto: privat

Pfarrer Görsmann (1873 bis 1942) wirkte von 1915 bis 1941 in Gellenbeck. In Erinnerung geblieben ist er als guter Beichtvater und vorzüglicher Prediger sowie als Seelsorger, der besonders den Kranken zugetan war. Außerdem wird er als besonders kunstsinnig beschrieben. Großen Einfluss nahm er beispielsweise auf die Ausgestaltung der Marienkirche und setzte auch sein eigenes Vermögen ein. 

Von Anfang an stand Görsmann dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber. Zwar suchte er nicht die offene Kontroverse mit der NSDAP, machte aber aus seiner Überzeugung keinen Hehl. So ist überliefert, dass beim Eingang ins Pfarrhaus – in Abkehr von dem zur damaligen Zeit üblichen Gruß Heil Hitler – ein von ihm entworfenes Schild mit der Aufschrift „Dein Gruß sei Grüß Gott!” hing.

Die Gestapo deportierte den Osnabrücker Diözesanpriester ins Konzentrationslager Dachau, nachdem sie ihn im Sommer 1941 wegen seelsorglicher Betreuung von überwiegend französischen Kriegsgefangenen verhaftet und inhaftiert hatte. Dort starb Görsmann 1942 an Unterernährung.

Das 1957 zunächst als Jugendheim fertiggestellte Pfarrheim neben der Kirche trägt den Namen Gustav-Görsmann-Haus. Vor dem Westportal der Kirche hat der Kölner Künstler Gunter Demnig 2008 einen seiner „Stolpersteine“ für die Opfer des Naziregimes verlegt. (kb)