Neuer „GlaubenEMSweg“ im südlichen Emsland
Eine Radtour von Kirche zu Kirche
Foto: Petra Diek-Münchow
Startklar: Elisabeth Focks und Holger Berentzen laden zu einer Radtour auf dem „GlaubensEMSweg“ ein.
80 Seiten stark ist das aus stabiler Pappe geheftete Ringbuch. „Passt genau in die Satteltasche“, sagt Elisabeth Focks, und man hat den Eindruck, die Leiterin des Kolping-Bildungshauses in Salzbergen würde es am liebsten gleich einpacken, aufs Rad steigen und auf dem neuen „GlaubensEMSweg“ in die Pedale treten. Diese Pilgertour, die den namensgebenden Fluss der Region im Titel trägt, führt entlang an 31 katholischen Kirchen im südlichen Emsland sowie einigen angrenzenden Gemeinden. Wer mag, kann an mehreren Tagen mit Übernachtungen die komplette Route mit 200 Kilometern abradeln. Oder sich Zeit nehmen und bestimmte Etappen einzeln ansteuern: vielleicht von Andervenne nach Spelle oder von Lingen nach Emsbüren. „Wie man mag“, sagt Dekanatsreferent Holger Berentzen.
Die Idee zu dem Radpilgerweg und dem praktischen Routenplaner hat Elisabeth Focks als Praxisprojekt während ihrer Ausbildung zur Gemeindereferentin entwickelt: gemeinsam mit Holger Berentzen und dem kürzlich verstorbenen Bernward Rusche, der über Jahrzehnte aktiv im kirchlichen Leben des Bistums und des Emslandes war. Pilgern ist angesagt – und mehr und mehr Menschen fragen dabei nach Alternativen mit dem Fahrrad. Ähnlich wie beim Wandern nehmen die Menschen dabei die Landschaft anders wahr als bei der schnellen Fahrt mit dem Auto – entdecken an Wasser, Wiese und Wald neue Bilder und Eindrücke. Und zugleich führt dieser Pilgerweg zu den Glaubensorten, die das Emsland prägen: die Kirchen in den Dörfern und Städten. „Das sind Ruhepole und Kraftorte, wo man still werden und auftanken kann“, sagt Berentzen. Vielleicht ein Gebet sprechen, Dank sagen und eine Kerze anzünden kann.
Das sind Ruhepole und Kraftorte, wo man still werden und auftanken kann
Durch das Ringbuch erfahren die Radpilgerinnen und -pilger auch mehr über die jeweiligen Gotteshäuser. Es gibt Fotos, einen QR-Code für weiterführende Infos, Hinweise auf besondere Details und kleine Anekdoten. Dafür haben die Initiatoren mit Tipps der örtlichen Heimatvereine viele Hinweise gesammelt. Zum Beispiel, dass in St. Antonius in Messingen ein zwölfarmiger Radleuchter steht, der ursprünglich aus dem Osnabrücker Dom stammt. Oder dass ein Türgriff in St. Matthias in Langen an den „Hundekröpel-Bittag“ im Februar erinnert: Vor 500 Jahren hatte diese Maulwurfsgrille großen Schaden auf den Feldern angerichtet. Andere kleine Geschichten erzählen davon, wie viel und wie oft die Menschen sich für ihre Kirche eingesetzt, gespendet und mitgearbeitet haben, wie in Beesten oder in Engden. Deutlich machen soll der Weg auch die spirituelle Vielfalt im Emsland. Daher führt das Heft bewusst in Kürze weitere „Glaubensspots“ am Ort auf. Wie die evangelischen Kirchen und jüdischen Bethäuser, Klöster und Friedhöfe, Denkmale und Kapellen. „Auch dort kann man dann noch anhalten“, sagt Focks.
Orientierung für den Weg gibt das im Emsland bekannte und bewährte Fahrrad-Knotenpunktsystem. Immer wenn unterwegs Radwege aufeinandertreffen, gibt es kleine Schilder mit nummerierten Knotenpunkten für die jeweilige Richtung. Zudem stehen vorne in dem Ringbuch Karten für die jeweiligen Bereiche des südlichen Emslandes. Wer den kompletten Weg fahren will, findet auch Hinweise auf Übernachtungsmöglichkeiten wie im Kolping-Bildungshaus in Salzbergen, im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen sowie in den Klöstern in Thuine und Handrup. Holger Berentzen kann sich gut vorstellen, dass auch Gäste von außerhalb des Emslandes Lust auf diese Tour haben. „Wir haben noch mehrere kleine Bahnhöfe unterwegs. Dann kann man das Rad im Zug mitnehmen, aussteigen und losradeln.“
Die Ringbücher liegen kostenlos in den katholischen Kirchen des Dekanates Emsland-Süd aus. Das Team würde sich über eine Spende für die Kolping-Familienarbeit freuen. Angaben dazu stehen hinten auf dem Buch.