Katholische Landvolkhochschule Oesede koordiniert Förderprogramm
Mehr Artenvielfalt auf kirchlichen Flächen
Foto: Andrea Kolhoff
Jonas Pabst, Sozialpädagoge und Non-Profit-Manager, berät an der Katholischen Landvolkhochschule (KLVHS) Oesede diejenigen, die einen Antrag im Förderprogramm „Biodiversität auf kirchlichen Flächen“ stellen.
Eine Wildblumenfläche am Kindergarten, bienenfreundliche Stauden vor dem Pfarrhaus und am Pfarrheim eine Hecke mit heimischen Gehölzen, die im Frühjahr blüht und den Vögeln im Winter Nahrung bietet – so können kirchliche Flächen aussehen, wenn sich die Gemeinden um mehr Artenvielfalt bemühen und ihre Grundstücke und Gärten naturnah gestalten.
Manchmal fehlt es an Ideen, manchmal am Geld, um etwas zu verändern. Hier kann das Förderprogramm „Biodiversität auf kirchlichen Flächen“ Unterstützung bieten. Katholische Gemeinden und Einrichtungen, die eine Förderung beantragen, erhalten einen Zuschuss in Höhe von bis zu 5000 Euro plus die Beratung durch Jonas Pabst. Der Sozialpädagoge und Non-Profit-Manager hat sein Büro bei der Katholischen Landvolkhochschule (KLVHS) Oesede. Von dort bietet er Online-Beratungen für diejenigen an, die einen Antrag auf Förderung stellen wollen.
Wenn es passt, kommt er auch in die Gemeinden, damit vor Ort geschaut werden kann, welche Maßnahmen möglich sind. Dabei gehe es immer um Flächen im Siedlungsraum, also nicht um Ackergrundstücke außerhalb eines Ortes, wie Pabst betont. Manche Tiere seien in die Städte gedrängt worden. Das Förderprogramm erinnere daran, dass Kirchen wertvolle Orte haben, um Flächen naturnah zu gestalten, und dass Gruppen dies gemeinsam tun können.
Spiritueller Wert über den ökologischen Nutzen hinaus
Am Förderprogramm teilnehmen können Kitas, Schulen, Bildungshäuser, Pflegeeinrichtungen oder Friedhofsträger in den Bistümern Osnabrück und Hildesheim. Gefördert werden Blühwiesen, naturnahe Pflanzungen, Streuobstwiesen, Nist- und Lebensräume für Tiere und weitere Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt. Über den ökologischen Nutzen hinaus haben viele Projekte auch einen spirituellen Wert. Kita-Kinder lernen auf der Blühwiese und beim Gärtnern am Hochbeet vieles über Gottes Schöpfung, und eine umsichtig gestaltete naturnahe Fläche rund um die Kirche kann für Andachten genutzt werden.
Manchmal werden Gebäude energetisch saniert, das ist ein guter Anlass, über eine naturnahe Umgestaltung der Beete rund ums Haus nachzudenken. Jede Gemeinde könne überlegen, was bei ihr möglich ist, meint Jonas Pabst. Gerne berate er sie, bevor der Antrag auf Fördermittel gestellt wird. Wenn eine Maßnahme bewilligt wurde, verpflichtet die Gemeinde sich, das neue Staudenbeet oder die Streuobstwiese mindestens acht Jahre lang so zu erhalten und zu pflegen.
Beispiel 1
Die Ehrenamtlichen aus dem Friedhofsausschuss in Bad Laer im Kreis Osnabrück wollen das Angebot zur Beratung nutzen und planen einen Ideen-Workshop mit Jonas Pabst. Die Kirchengemeinde Mariä Geburt hat auf ihrem 22.000 Quadratmeter großen Friedhof bereits vor Jahren einige Änderungen angestoßen, die zu mehr Biodiversität führen. Im Westteil des Friedhofs werden abgelaufene zurückgegebene Grabstellen nicht mehr neu vergeben, sondern bepflanzt, mit Stauden, aber auch mit Bäumen. So wurden schon einige Eichen gepflanzt, aber auch Apfelbäume. Für manche Besucher ist dies ein ungewohnter Anblick. „Wir haben einen recht kreativen Friedhofsausschuss,“ sagt Norbert Mechelhoff, Friedhofsrendant in Bad Laer. Man müsse sich darauf einstellen, dass auch in Zukunft immer weniger Grabstellen für Erdbestattungen nachgefragt werden und man die freien Flächen gestalten muss. Der Workshop mit Jonas Pabst soll Ideen liefern.
Im mittleren Teil des Friedhofs hat die Gemeinde 2016 Urnengräber unter Amberbäumen geschaffen, die sehr gut angenommen werden. An den Bäumen wurden Nistkästen aufgehängt, die schnell von Meisen belegt waren. Im Jahr 2022 wurde auf einem Areal mit aufgegebenen Grabstellen eine Blühwiese angelegt, so dass eine 2500 Quadratmeter große Fläche für die Natur entstand. Diese Blühwiese entstand in Regie des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und wird auch von dessen Mitgliedern gepflegt. Die Wiese sei aber nicht unumstritten, sagt Mechelhoff. Wenn sie blühe, beklagten sich manche, dass der Samen auf ihre Gräber fliege. Und wenn alles verblüht sei, sehe eine Blühwiese nicht mehr schön aus, so Mechelhoff. „Das sind Lernprozesse“, meint er.
Nun soll überlegt werden, wie die anderen Friedhofsteile naturnah gestaltet werden könnten. Im Moment wirkt der 2016 angelegte „Garten der Erinnerung“ noch wie ein kleiner Landschaftspark. „Wie kriegen wir hier mehr Biodiversität hin?“, fragt sich Mechelhoff. Für eine Fläche, die direkt an der Einsteinstraße liegt, hat er schon eine Idee, dort könne man gut eine Streuobstwiese anlegen. Doch das soll im November erst gemeinsam besprochen werden.
Beispiel 2
Die katholische Kirchengemeinde in Belm hat dagegen bereits einen Antrag auf Förderung gestellt. Sie plant zwei Projekte, mit denen die Artenvielfalt auf ihren kirchlichen Flächen verbessert werden kann. Wie Markus Kerl aus dem Kirchenvorstand von St. Dionysius, sagt, soll auf einem gemeindeeigenen Grundstück neben dem Pfarrheim eine Streuobstwiese entstehen. Hier könnten Neuanpflanzungen von Obstbäumen alter Sorten den bestehenden Baumbestand ergänzen. Geplant ist, Apfelbäume, Birnbäume und Pflaumenbäume zu pflanzen, insgesamt 15 Stück. „Und natürlich wollen wir dann auch Nistkästen aufhängen“, so Markus Kerl. Totholzhaufen bieten kleineren Tieren Lebensraum. Außerdem sollen Informationstafeln Spaziergänger und Gemeindemitglieder darauf hinweisen, was hier entstanden ist.
Kerl ist im Kirchenvorstand der Gemeinde für Liegenschaften und den Friedhof zuständig. Die Idee, einen Antrag auf Fördermittel zu stellen, habe man im gesamten Kirchenvorstand besprochen, die Pläne wurden befürwortet. Um noch im Herbst 2026 tätig werden zu können – Bäume pflanzt man am besten von Oktober bis November – warten die Belmer derzeit auf eine Bewilligung ihres Antrags. Auch wenn manche meinten, 5000 Euro sei ein kleiner Zuschuss, so könne man dafür doch schon einige Bäume kaufen, meint Kerl. Allerdings müsse man gut planen, denn „ruck, zuck ist das Geld weg.“
Neben der Streuobstwiese neben dem Pfarrheim plant die Kirchengemeinde St. Dionysius, auf dem Friedhof eine Blühwiese anzulegen. Direkt hinter dem Eingang liegt eine Fläche, die nicht mit Grabstellen belegt ist, dies seien etwa 250 Quadratmeter. Dort könne solch eine Wiese entstehen, sagt Markus Kerl. Derzeit ist dies eine Art Rasenfläche, die stets gemäht werden muss. Eine Blühwiese mit heimischen Blumen und Gräsern dagegen biete Nahrung für Insekten. Dass diese Wiese acht Jahre lang dort Bestand haben soll und gepflegt werden muss, sei klar. „Das werden wir dann schon geregelt kriegen“, meint Kerl.
Zur Sache
Das Projekt „Biodiversität auf kirchlichen Flächen“ wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie durch die Bistümer Hildesheim und Osnabrück.
Das Projekt läuft bis zum 14. Oktober 2029. Bis dahin muss eine Maßnahme, für die Finanzmittel beantragt wurden, erstellt und abgerechnet sein. Kontakt: Jonas Pabst, Telefon 0 54 01/86 68 37, E-Mail: pabst@klvhs.de