Humanitäre Katastrophe

Misereor im Sudan: Hilfe für Verzweifelte

Image
Geflküchtete in Malakal
Nachweis

Foto: Misereor/Roland Brockmann

Caption

Viele Geflüchtete aus dem Sudan erreichen das rettende Malakal über den Nil.

Im Sudan kämpfen seit Jahren verschiedene Milizen um die Macht. Rund 14 Millionen Menschen haben ihre Heimat verloren – die meisten fliehen in den Südsudan. Dort sorgen Entwicklungshelfer wie Uwe Bergmeier von Misereor für das Nötigste.

Als Entwicklungshelfer in Afrika hat Uwe Bergmeier viel Armut und Leid gesehen. Doch die Bilder der Geflüchteten aus dem Sudan gehen ihm nicht aus dem Kopf – so erschöpft, unterernährt, an Leib und Seele verwundet, wie sie im südsudanesischen Malakal ankommen. „Nach drei, vier Wochen Flucht, von allen Seiten bedrängt, kriegen viele fast nichts mehr davon mit, was um sie herum vorgeht“, sagt Bergmeier. „Erst nach ein paar Tagen stellt sich so etwas wie Erleichterung ein.“

Essensausgabe Malakal
Oft reichen die Spendengelder nur für etwas Mehl, Öl, Mais und etwas Salz. Foto: Misereor/Roland Brockmann

Die Essensausgabe von lokalen Caritashelfern in einem UN-Flüchtlingscamp ist eines von 25 Hilfs- und Entwicklungsprojekten, die Bergmeier (64) als Leiter des Büros für Dialog und Partnerschaft im Sudan und Südsudan von Misereor betreut. Dass ihm die Folgen des Kriegs im Sudan nahegehen, sieht man Bergmeier meist nicht an. „Irgendwann setzt ein Gewöhnungseffekt ein“, sagt er. „Zudem wird von uns erwartet, dass wir uns in Krisen eine gewisse Nüchternheit und Rationalität bewahren.“ Dabei spielt sich ein paar hundert Kilometer nördlich von Malakal die größte humanitäre Katastrophe unserer Tage ab. 

Seit 2023 kämpfen im Sudan die Milizen und Truppen zweier verfeindeter Generäle um die Macht. „Es geht auch um Öl, Gold, Diamanten und andere Bodenschätze“, sagt Bergmeier. Zudem sei der Konflikt aufgeladen „mit einer Menge ethnisch motiviertem Hass“. Über 14 Millionen Menschen sind auf der Flucht – mehr als in jedem anderen aktuellen Konflikt. Eine gewaltige Hungersnot droht. 

Da weite Teile des Sudan aufgrund der Kämpfe unzugänglich sind und seit 2023 rund 90 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ermordet wurden, konzentrieren sich Dienste wie Misereor bei ihrer Arbeit auf den Südsudan. „Dort kommen ohnehin die meisten Geflüchteten aus den Kriegsregionen an“, sagt Bergmeier. Während der Sudan vorwiegend muslimisch ist, ist der Südsudan christlich geprägt. „Hier arbeiten wir vor allem mit lokalen Kirchengemeinden zusammen, die Flüchtlinge mitversorgen, obwohl sie selbst kaum Ressourcen haben“, sagt Bergmeier. Etwa alle zwei Monate ist er selbst vor Ort, hilft bei der Logistik und kontrolliert, wie die Projekte laufen.

Hilfswerke arbeiten mit Kirchengemeinden zusammen

In der südsudanesischen Diözese Rumbek fördert Misereor ein Krankenhaus und übernimmt die Personalkosten für Ärzte, Schwestern und Verwaltungsangestellte. Zudem entsteht dort gerade eine neue Schule. An anderer Stelle unterstützt das Hilfswerk eine katholische Gemeinde, auf deren Gelände 400 Geflüchtete gestrandet sind. Allein in dem UN-Flüchtlingscamp Malakal kommen wöchentlich bis zu 8000 Vertriebene aus dem Sudan an, die meisten per Frachtschiff auf dem Nil, dem wichtigsten Verkehrsweg in der Region. 

Viele Geflüchtete haben Furchtbares erlebt. Vor allem die Rebellenmiliz Rapid Support Forces (RSF) richtet ihre Gewalt gezielt gegen die nicht arabischstämmige, schwarze Zivilbevölkerung. In den Provinzen Darfur und Kordofan kommt es zu Massenerschießungen und anderen Gräueltaten. Frauen berichten von systematischen Vergewaltigungen. Bei dem Überfall auf eine Geburtsklinik in Al-Fashir wurden im Herbst 2025 mehr als 460 Menschen ermordet. Auch Hilfskonvois, Fluchtrouten und Flüchtlingslager werden regelmäßig angegriffen. Bergmeier spricht inzwischen von einem Völkermord.

Geflüchtete in Malakal
In Malakal kommen wöchentlich bis zu 8000 Vertriebene an. Foto: Misereor/Roland Brockmann

Rund fünf Millionen Euro aus staatlichen Mitteln und Spendengeld stehen Misereor jährlich für die Sudan- und Südsudanhilfe zur Verfügung. „Insgesamt erreichen wir damit etwa 100 000 Menschen“, sagt Bergmeier. Doch das ist kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Mit diesem Problem steht das katholische Hilfswerk allerdings nicht allein. Die Vereinten Nationen benötigten im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden Dollar für die Hilfe im Sudan. Den UN-Helfern stand jedoch nur ein Viertel der benötigten Summe zur Verfügung.

Nachdem US-Präsident Donald Trump die Entwicklungshilfeagentur USAID aufgelöst hat, fehlt in der weltweiten Krisenhilfe der größte Geldgeber. Auch viele EU-Staaten haben zuletzt ihre Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zurückgefahren. „In Europa stehen jetzt die Ukraine-Hilfe sowie Investitionen in die Sicherheit im Vordergrund. Gleichzeitig werden die Probleme im Sudan immer größer, aber die Mittel weniger“, sagt Bergmeier. 

Davon entmutigen lassen möchte sich der Entwicklungshelfer aber nicht. Er sagt: „Mit unserer Unterstützung machen wir diese Welt zumindest für einige ein bisschenbesser.“ 

Uwe BergmeierZur Person

Uwe Bergmeier ist Leiter des Büros für Dialog und Partnerschaft im Südsudan.

Foto: privat