Sport und Glaube
Warum Fußball und Gott für ihn zusammengehören
Foto: Sebastian Haas
Jannik Feidel fühlt sich in Unterfranken zu Hause. Hier kann er sich im Fußball wie in der Kirche engagieren.
Von den Hängen oberhalb Escherndorfs ist schnell zu entdecken, was das Leben in dem 400-Seelen-Ort ausmacht: der Wein, der Main, der Fußballplatz – und die Kirche. „Erst die Kommunion, dann Ministrant, da wurde Wert darauf gelegt“, so beschreibt Jannik Feidel (30) seinen Weg in die Gemeinde.
Eine besondere Bezugsperson war die Großtante, die Kirchenpflegerin, die mit der Familie auf dem gleichen Grundstück lebte. „Sie hat die Tage mit uns verbracht. Sie hatte ständig etwas in der Kirche zu tun und lud uns ein, mitzukommen und mitzuhelfen. Durch ihre Initiative konnte ich meinen Glauben entdecken.“
Die Beschäftigung mit dem Glauben fand meist im Stillen statt
Zur ernsthaften Stütze entwickelte sich der kindliche Glaube im Fußballinternat. Mit zwölf Jahren kam Jannik Feidel in die Eliteschule des Sports in Jena und entdeckte schnell, dass der Weg in den Profisport anstrengend und einsam ist. In stillen Momenten sei ihm bewusst geworden: „Da muss noch etwas sein, das mir Halt gibt, das ich von zu Hause mitbekommen habe und worauf ich zugreifen kann.“
Die Beschäftigung mit dem Glauben fand meist im Stillen statt, da das Umfeld in Jena kaum kirchliche Strukturen bot. Die wenigen gläubigen Nachwuchssportler erhielten evangelischen Religionsunterricht. Eine Erfahrung, die Feidel im Nachgang positiv bewertet: „Wir waren unabhängig von der Konfession im Austausch, das hat meine Perspektive erweitert. Und es hat mir gezeigt: Wer offen ist, findet Gottes Angebote. Es gibt genug Menschen, in jedem Team, die sich mit Fragen des Glaubens beschäftigen.“
„Wenn ich aktiv als Vorbild vorangehen kann, muss ich nicht lange überlegen.“
Eine Grundlage für die Gespräche unter den Heranwachsenden war die im Unterricht genutzte Sportlerbibel: eine spezielle Ausgabe des Neuen Testaments, die angereichert ist mit Lebensgeschichten von Sportlerinnen und Sportlern. Sie erzählen ganz persönlich, wie ihr christlicher Glaube sie bei Erfolgen, Misserfolgen und Verletzungen unterstützt hat. Auf dieser Grundlage hat sich Feidel sein Gottesbild herausgearbeitet: „Ich glaube an einen gnädigen, liebenden, bereichernden Gott, der uns die Freiheit gibt, selbst über unser Schicksal zu entscheiden.“
Gerade dann, wenn es nicht so einfach ist. Jannik Feidel musste den Umgang mit Tiefschlägen früh erlernen. Bereits zu Beginn seiner Zeit im Fußballinternat plagten ihn Rückenprobleme, der hohen Belastung wegen. Einen Lehrgang für die Jugendnationalmannschaft verpasste er wegen eines gebrochenen Arms. Letztlich zerschlug sich der Traum von der Karriere als Profifußballer, als ihm der Weg in die U19-Mannschaft von Rot-Weiß Erfurt nicht gelang. „Mit zwölf Jahren begann die Berufsausbildung, es folgten Jahre mit harter Arbeit, aber keine Übernahme“, so bilanziert Feidel.
Eine bewusste Rückkehr nach Hause
Die höchste Spielklasse, in der er seitdem aktiv Fußball spielte, war die Bayernliga. Aktuell ist er, wenn sich die Zeit finden lässt, mit dem 1. FC Geesdorf in der Kreisliga Schweinfurt unterwegs. Denn auch wenn es woanders vielleicht höherklassig hätte weitergehen können: Feidel entschied sich bewusst für die Rückkehr in die Heimat, für das Abitur und ein Lehramtsstudium in Theologie und Sport. Damit setzte er eine seiner Erkenntnisse in Taten um: „Glaube ist nicht ohne Kirche denkbar.“ In seinem Heimatort Escherndorf hatte der Teenager nach seiner Rückkehr die Betreuung der Ministranten übernommen und wurde Mitglied im Pfarrgemeinderat. Inzwischen ist er Vorsitzender des Gemeindeteams.
Als sich mit der Errichtung eines Pastoralen Raums die Zahl der Gottesdienste drastisch zu reduzieren drohte, ließ er sich zum Wortgottesdienstleiter ausbilden und übernimmt diese Aufgabe nun alle paar Wochen. Das danken vor allem die Älteren im Ort dem 30-Jährigen. „Die Vielfalt im Fußball hat mich gelehrt, dass ich Teil der einen Gruppe sein kann und gleichzeitig offen für die andere. Wenn ich aktiv als Vorbild vorangehen kann, muss ich nicht lange überlegen“, sagt Feidel. Auch deshalb unterstützt er derzeit die Privatquartier-Kampagne zum 104. Deutschen Katholikentag und wirbt in der Region Würzburg dafür, Besucher der Großveranstaltung in den eigenen vier Wänden unterzubringen.
Aber auch dem Fußball ist er treu geblieben. Als Trainer bei den Würzburger Kickers will Feidel als Vorbild vorangehen. Aktuell trainiert er die U19 des Vereins und ist Co-Trainer des Herrenteams, das in der Regionalliga Bayern um den Aufstieg in die 3. Liga mitspielen will. Sein „grundlegend positives Gottesbild“ hilft ihm dabei, mit Emotionen und Ergebnisdruck umzugehen. Die berühmt-berüchtigte Kabinenpredigt ist von ihm selten zu hören. Feidel will seinen Spielern, allen taktischen Vorgaben zum Trotz, die nötige Freiheit zur Entfaltung lassen.
Predigt in der Fußball-Kabine
„Ich bin nicht frei von Fehlern im Umgang mit anderen“, gibt er zu. „Aber ich bin weniger impulsiv als früher, kann meine Fehler benennen und aus ihnen lernen. So kann ich meinem Team zum Beispiel vermitteln: Wenn ihr den Schiedsrichter beschimpft, wird er die nächste knappe Entscheidung wohl nicht für euch pfeifen.“ Auch Gegentore und Niederlagen nagen inzwischen weniger an Feidel. Er ist sich sicher: „Ehrliche Arbeit und Interesse am Mitmenschen führen zu einem guten Ergebnis.“ Ob er mit dieser Einstellung den großen Fußballzirkus verändern kann? Wohl kaum. Aber sein Umfeld ganz bestimmt.