Kriegsflüchtlinge

Die heutige Flucht nach Ägypten

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Männer unterhalten sich.
Nachweis

Foto: Deutsche Bischofskonferenz/Daniela Elpers

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Auch im katholischen St. Bakhita-Zentrum in Kairo tauschte sich Erzbischof Stefan Heße mit Gemeindemitgliedern über die Situation der Katholiken in Ägypten und die der Flüchtlinge aus dem Sudan aus.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße bereiste sechs Tage im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz Ägypten. Dort informierte er sich über die Lage Geflüchteter aus dem Sudan.

„Das tatkräftige Engagement für Geflüchtete in den katholischen Pfarreien hat mich tief beeindruckt“, resümierte Erzbischof Stefan Heße nach seiner Rückkehr aus Ägypten. In seiner Funktion als Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen hatte er eine sechstätige „Solidaritätsreise“ in das nordafrikanische Land angetreten, wie die DBK mitteilte. „Zugleich bin ich berührt, wie stark sudanesische Flüchtlinge sich in kirchlichen Initiativen engagieren und die Gemeinden mit Leben erfüllen“, sagte Heße in Erinnerung an einen Besuch bei den Comboni-Missionaren und Franziskanern, bei dem es um die pastorale Begleitung sudanesischer Geflüchteter ging. Besonders bewegt habe ihn die Begegnung mit einer jungen Frau, die ihm von ihrer Verzweiflung auf der Flucht erzählt habe. „Neuen Mut konnte sie in einer katholischen Gemeinde finden, wo sich die Menschen gegenseitig unterstützen. Es ist wichtig, dass wir Geflüchtete nicht nur als Empfänger von Hilfe sehen. Es sind Menschen mit großer Stärke und Resilienz, die ihre Zukunft eigenständig gestalten wollen“, so Heße.

Wenig internationale Aufmerksamkeit für die Situation im Land

Einblicke in die Situation der christlichen Minderheit im Land erhielt er in Gesprächen mit dem Oberhaupt der koptischen Kirche, Papst Tawadros II., dem koptisch-katholischen Patriarchen Ibrahim Isaac Sidrak, dem römisch-katholischen Bischof Claudio Lurati MCCJ (Apostolischer Vikar von Alexandrien in Ägypten) und dem Chargé d’Affaires der Apostolischen Nuntiatur: „Aufgrund des Bürgerkriegs im Sudan sind derzeit mehr als zwölf Millionen Menschen auf der Flucht. Mit über 1,5 Millionen sudanesischen Geflüchteten ist Ägypten zum größten Aufnahmeland geworden. Die Herausforderungen für Ägypten und die Schwierigkeiten, mit denen sich die Flüchtlinge konfrontiert sehen, sind enorm. Gleichzeitig konnte ich ein großes Maß an Solidarität und Mitmenschlichkeit erleben.“

In Kairo tauschte sich der Erzbischof mit Vertretern der Deutschen Botschaft und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) aus. Sie wiesen wiederholt darauf hin, dass die starke Flüchtlingsaufnahme in Ägypten auch aufgrund der politischen Entscheidung, keine Flüchtlingslager einzurichten, nur wenig internationale Aufmerksamkeit finde. Ebenso wurden Kürzungen internationaler Hilfsleistungen, wachsende Ressentiments gegenüber Geflüchteten sowie Auswirkungen eines neuen ägyptischen Asylgesetzes diskutiert.

Da im sudanesisch-ägyptischen Grenzgebiet keine entsprechende Einrichtung betrieben werden darf, stellt bereits der Weg zum einzigen Registrierungszentrum des Landes eine große Hürde für die Menschen dar: „Die Situation vor und im Zentrum habe ich als bedrückend wahrgenommen. Viele haben auf ihrer Flucht durch Kriegsgebiete und Wüsten Traumatisches erlebt. Die Mitarbeiter der UN und weiterer Hilfsorganisationen sind überaus engagiert, wissen aber auch um ihre begrenzten Möglichkeiten. Ich kann nur an Europa und die Weltgemeinschaft appellieren: Richten wir unseren Blick auf die Bedürfnisse der sudanesischen Flüchtlinge!“

Heßes zweite Station war Assuan, rund 300 Kilometer von der sudanesischen Grenze entfernt. Schätzungsweise leben dort mehr als 100 000 sudanesische Geflüchtete ohne Registrierung. „Da sie sich vor Ort nicht registrieren lassen können, haben sie keinen Zugang zum staatlichen Gesundheitsweisen, zu Bildung oder Arbeit.“ In Assuan konnte der Erzbischof Projekte der Catholic Relief Services (CRS) und der Caritas Ägypten kennenlernen. Während seiner Reise feierte Heße mehrere Gottesdienste mit Geflüchteten. „Den tiefen und lebendigen Glauben“ der Schutzsuchenden nehme er als bleibenden Eindruck mit, so Heße. „Ihre eindringliche Bitte hallt weiter nach: ‚Betet für uns – vergesst uns nicht!‘“

red