Bischof Bode trifft Papst Franziskus

Ermutigung aus Rom

Image
22_03_bischof_papst.jpg

Bischof Franz-Josef Bode war für einige Tage im Vatikan zu Besuch, um mit dem Papst sowie mehreren Kardinälen über die Situation der Kirche in Deutschland zu sprechen. Er hat einen „angstfreien Raum“ erlebt.


Reden hilft: Bischof Bode im Gespräch mit Papst Franziskus. Foto: kna

An diesem Morgen hat in Europa ein Krieg begonnen. Russland greift die Ukraine an. Trotz der weltpolitischen Ereignisse findet Papst Franziskus Zeit für einen Bischof aus der norddeutschen Provinz. „Ich kam mir mit meinen Themen fast ein bisschen lästig vor“, beschreibt Bischof Franz-Josef Bode angesichts der dramatischen Lage in der Ukraine sein Gefühl vor seinem Besuch beim Papst. Und dennoch: Der vor einigen Wochen vereinbarte Besuch kann stattfinden. Und Papst Franziskus ist ganz wach und präsent. 

Eine halbe Stunde lang hat der Papst am vergangenen Donnerstag Bischof Bode empfangen. „Ich bin seit 30 Jahren Bischof. Ich hatte das Gefühl, ich muss auch mal mit dem Papst sprechen“ angesichts der unruhigen Zeiten in der Kirche in Deutschland, beschreibt Bode im Gespräch nach seiner Rückkehr den Hintergrund des Besuches.

In fünf Tagen absolvierte Bode eine ganze Reihe von Gesprächen. Begleitet von Ralph Poirel, dem Bereichsleiter Pastoral im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, war er zunächst bei Kardinal Kevin Farrell. Der US-Amerikaner leitet die relativ junge Vatikanbehörde für Laien, Familien und Leben. „Der Kardinal ist ganz von der pastoralen Praxis geprägt“, beschreibt Bode seinen Gesprächspartner. Hier, wie auch in den anderen Vatikanbehörden, berichtete Bode über den Synodalen Weg und dessen Themen. Es ging um die Rolle der Frau, um die Sexualmoral, das Priesteramt. Farrell habe sich offen für diese Themen gezeigt.  

Das gelte auch für die anderen Gesprächspartner. So war Bode bei Kardinal Luis Ladaria, dem Leiter der Glaubenskongregation, ebenso wie bei Kardinal Kurt Koch, dem „Ökumeneminister“ des Vatikans. Einen „völlig angstfreien Raum“ habe er bei den Gesprächen erlebt, betont Bode. Alle Themen, die aktuell auf der Tagesordnung stünden, seien zur Sprache gekommen. Dass ein Bischof in vatikanischen Behörden offen über solche Reformwünsche spricht, wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Die Kardinäle und auch der Papst hätten ihn ermutigt, die Themen und Fragestellungen des deutschen Synodalen Wegs in den vom Papst aufgerufenen weltweiten synodalen Prozess einzubringen.

Keine Lösungen, aber auch kein Stoppschild

In der Glaubenskongregation ging es auch um die Frage, wie in Rom anhängige laufende Missbrauchsverfahren aus dem Bistum Osnabrück beschleunigt werden können. Die Vielzahl der Fälle und die Pandemie hätten zu Verzögerungen geführt. Doch bald sei mit Entscheidungen zu rechnen, kündigte Bode an.

Höhepunkt der Reise war schließlich kurz vor der Rückkehr nach Osnabrück der Empfang beim Papst. Bisher hatte der Bischof den Papst nur bei kurzen Begegnungen auf dem Petersplatz treffen können. Nun gab es die Möglichkeit zu einem halbstündigen Gespräch, in dem Bode dem Papst von seinen Erfahrungen als Jugendbischof und in der Pastoralkommission der Bischofskonferenz berichtete. Auch hier habe er alle Themen ansprechen können. So habe er dem Papst vom Synodalen Weg berichtet und erklärt, dass es beispielsweise in der Frage um den Ämterzugang für Frauen darum gehe, „die Diskussion offenzuhalten“ und dass die Argumente von Papst Johannes Paul II. in Deutschland immer weniger verstanden würden. 

Auch über den Umgang mit Homosexualität, den Zugang zum Priesteramt oder die hohe Zahl der Kirchenaustritte habe er gesprochen. Papst Franziskus habe zu den konkreten Fragen keine eindeutige Stellung bezogen, in seinen Reaktionen aber klargemacht, dass es darum gehen müsse, den Menschen nahe zu bleiben. „Erst dann kommen die Gesetze. Er ist ein Pastor auf dem Papstthron und öffnet den Raum für Gespräche“, sagte Bode. Seinen Besuch in Rom empfindet er als Ermutigung und vertrauensbildende Maßnahme. „In Rom läuft vieles über persönliche Kontakte.“ Wenn man sich kenne, seien kontroverse Themen besser zu besprechen. 

Dass viele Verantwortliche in Rom mit einigen Forderungen aus Deutschland Schwierigkeiten haben, ist kein Geheimnis. Eine Schwierigkeit ist auch, dass im Vatikan immer weltkirchlich gedacht werden muss: Was in Deutschland sinnvoll ist, kann in anderen Ländern negative Folgen haben. 

Lösungen für die anstehenden Fragen hat Bode aus Rom erwartungsgemäß nicht mitgebracht. Aber es gab auch kein Stoppschild, keine Anweisungen, Verurteilungen oder Drohungen. „Mit Rom kann man reden. Wir müssen in Zukunft stärker diese Gespräche suchen“, so das Fazit des Bischofs.

Ulrich Waschki