Impuls zur Sonntagslesung am 4. Januar 2026

Jahresbeginn: Sätze, die Mut machen

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Ein buntes Lesezeichen liegt in der Bibel. Gottes Wort ist eine frohe Botschaft.
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Foto: kna/Severina Bartonitschek

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Ein buntes Lesezeichen liegt in der Bibel. Gottes Wort ist eine frohe Botschaft.

Paulus lobt die Epheser und dankt Gott für ihren Glauben. Das Evangelium spricht vom göttlichen Wort unter den Menschen. Die Texte zeigen, wie Sprache das Leben verändern kann – zum Guten.

Eine der besonders unangenehmen Seiten von Donald Trump ist seine Sprache. Da nennt er halb im Spaß einen politischen Gegner einen Fettsack, sagt zu einer Journalistin „Schweig, Schweinchen“ oder kanzelt Reporter als „Lügenpresse“ ab. Trump langt zu, eben auch verbal. Wie muss es jemandem gehen, der von diesen Worten getroffen wird? Vom Präsidenten der Vereinigten Staaten vor laufender Kamera niedergemacht. Solche Worte treffen ins Mark, erschüttern, vernichten.

Das totale Gegenteil der Worte, von denen das Evangelium an diesem ersten Sonntag des neuen Jahres spricht: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ Und weiter: „In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“ Das göttliche Wort erleuchtet das Leben. Es will nicht niedermachen, es will aufrichten, ins Leben führen.

Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken.

Deshalb beten wir in der Eucharistiefeier: „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Dieser Satz geht zurück auf einen römischen Hauptmann, von dem die Bibel berichtet. Er sagt zu Jesus: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Diener gesund.“ Ein Wort Jesu reicht. Keine Berührung, keine langen Reden, ein einziges Wort.

Ein einziges Wort kann auch heute reichen, um niederzumachen oder aufzurichten. Wie gehen wir mit unserer Sprache um? Achtsam und friedfertig? Oder wie mit einem Vorschlaghammer? In der zweiten Lesung lobt Paulus die Gemeinde in Ephesus überschwänglich: „Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken … denn ich habe von eurem Glauben an Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.“ Welch ein Satz. Die jungen Christen in Ephesus müssen stolz gewesen sein, so etwas von Paulus zu lesen. Der Satz dürfte Ansporn sein, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Das kennt man von Paulus auch anders. Mit Kritik und Tadel. Aber ein solches Wort motiviert doch viel stärker als eine strenge Ermahnung.

Jesus und die Schule der Liebe

Das Evangelium geht noch einen Schritt weiter: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Gott bleibt nicht weit weg, in himmlischer Ferne, er wird Mensch. Das haben wir gerade erst zu Weihnachten gefeiert. Ein Mensch aus Fleisch und Blut, der das Leben mit uns teilt. Jesus ist das menschgewordene Wort Gottes. In ihm sind Reden und Leben eins. Er ruft zu Umkehr und Liebe auf, sogar am Kreuz betet er für seine Mörder. Und wir? Wie groß ist der Graben zwischen dem, was wir sagen und was wir tun? Reden wir von Nächstenliebe und meckern über den Nachbarn oder den Kollegen? Rufen wir zur Versöhnung auf oder machen wir anderen das Leben schwer?

Worte verändern. „I have a dream“. Dieser Satz von Martin Luther King ist ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Er ruft nicht zum Kampf auf, sondern zur Versöhnung, zum friedlichen Miteinander. Mit solchen Worten und einer solchen Haltung wird die Welt friedlicher und besser. Es sind Worte, die Licht bringen.

Bestimmt können wir mit unseren Worten auch uns selbst verändern. Wenn wir versuchen, bewusst zu sprechen. Das einschränkende „Aber“ wegzulassen, das vorschnelle „Nein“, schlechte und negative Worte zu unterlassen. Schwierig. Aber eine Übung wert. Und wenn wir so über unsere eigenen Worte nachdenken, ändert sich unsere Haltung, ändert sich die Art, wie wir über Menschen und Dinge denken. „Gewaltfreie Kommunikation“ nennt sich ein Konzept des Psychologen Marshall Rosenberg. Volkshochschulen bieten Kurse an, um diese Art des Miteinanders zu erlernen. Man lernt dabei, auf die eigenen Bedürfnisse und die des Gegenübers zu achten und Verurteilungen zu unterlassen, um destruktiven Streit zu vermeiden und Brücken zu bauen.

Im Anfang war das Wort.

„Wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund“, sagt Jesus in der Bergpredigt. Sprache und Denken hängen zusammen. Mit meiner Sprache beeinflusse ich mein Denken und umgekehrt. Jesus bietet uns seine Schule der Liebe an. Die Liebe ist die Haltung, die seine Jüngerinnen und Jünger prägen soll. Ihr Herz, ihren Verstand, ihren Mund. 

„Im Anfang war das Wort“ – dieser Satz erinnert uns daran, dass Sprache etwas Göttliches hat. Sie kann zerstören, aber sie kann auch heilen, kann versöhnen und Mut machen. Jeden Tag haben wir die Wahl: Welches Wort sage ich heute? Welches Wort verschenke ich? „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“ – vielleicht ist es ja mein Wort, das heute jemand anderem guttut.

Ulrich Waschki