Vorösterliche Angebote im Bistum Osnabrück

Per Podcast durch die Fastenzeit

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Fasten in Corona-Zeiten ist schwer. Verzicht und  Einschränkungen begleiten uns seit einem Jahr. Dennoch haben die Gemeinden des Bistums wieder viele kreative Ideen entwickelt, die Fastenzeit auch unter diesen Vorzeichen ansprechend zu gestalten. Zwei Beispiele aus dem Emsland und aus Bremen.


Über die Stationen des Kreuzwegs diskutieren Paul Bresan und Marisa Grummich miteinander – anzuhören auf dem Streamingportal Spotify. Foto: privat

Können junge Leute heute noch etwas mit dem Kreuzweg Jesu anfangen? Paul Bresan (19) und Marisa Grummich (24) bejahen das ganz ausdrücklich. Weil jedes Leben irgendwann einmal von Schicksalsschlägen, Krankheit, Leid und Tod durchkreuzt wird. Aber die traditionelle Darstellung der Passion in Bildern und Gebeten spricht Jugendliche und junge Erwachsene oft nicht mehr richtig an.

Deshalb hat ein zehnköpfiges Team aus der Jugendarbeit im katholischen Dekanat Emsland-Mitte und aus dem lutherischen Kirchenkreis Emsland-Bentheim einen ökumenischen Kreuzweg für sie gestaltet – zu hören als Podcast auf dem Internet-Streaming-Dienst Spotify. Diese Audiobeiträge heißen „#hintermKREUZ“, und dieser Titel ist nach Worten von Dekanatsjugendreferentin Theresa Frey zugleich das Programm. Denn bei den bis Ostern geplanten zehn Folgen geht es darum, die Perspektive zu wechseln und sich zu fragen: Was hat der Leidensweg Jesu mit mir als junger Mensch zu tun – und was bedeutet das für mich? Die zwei Stimmen am Mikrofon sind Bresan und Grummich. 

Kreuzweg: "eine ganz krasse Geschichte"

Er macht gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim lutherischen Kirchenkreis-Jugenddienst, sie arbeitet als Gemeindeassistentin in der Pfarreiengemeinschaft Geeste. Gemeinsam diskutieren sie in dem Podcast zuerst über die jeweiligen Bibelstellen der Passion, die Nikolas Hüser vorliest. Der FSJ-ler aus dem katholischen Jugendbüro sorgt auch für die Technik hinter dem Projekt. In diesem Gespräch will das Moderatorenteam die Heilige Schrift für junge Leute in die Gegenwart übersetzen. „So ein Kreuzweg ist ja schwere Kost, eine ganz krasse Geschichte“, sagen Bresan und Grummich, „aber wir möchten das verständlich machen.“ Dafür fragen sie nach: erstaunt, irritiert, kritisch. 

Immer auch bei Gästen außerhalb ihres Studios, die beruflich ganz persönliche Kreuzwege von unterschiedlichen Menschen erlebt haben. Sie interviewen zum Beispiel einen Richter, eine Trauerbegleiterin, einen Bestatter, zwei Pfarrer sowie anonymisiert jugendliche Mobbingopfer. Auch Weihbischof Johannes Wübbe und Superintendent Bernd Brauer gehören zu ihren Gesprächspartnern. Dekanatsjugendreferentin Frey ist sicher, dass dieses Format ankommen wird – und zwar nicht nur bei jungen Leuten.

Der Podcast #hintermKREUZ ist auf  Spotify kostenlos zu hören. Jeden Mittwoch um 18 Uhr sowie an Karfreitag und zu Ostern gibt es eine neue Folge, aber man kann die bis zu 30 Minuten langen Audiobeiträge unter dem genannten Titel auch zu jeder anderen Tageszeit auf dem Handy oder am Computer abrufen.

Petra Diek-Münchow

 


Der Bremer Propst Bernhard Stecker stellt sich jede Woche den Fragen von Jugendbildungsreferentin Fabienne Torst. Foto: Christof Haverkamp

Warum ist der Begriff Fastenzeit blöd? Was sind eigentlich die heutigen Versuchungen? Und was ist mit Verklärung gemeint? Wer sich gründlich auf die Evangelien der Sonntage vor Ostern vorbereiten oder sich damit beschäftigen möchte, für den lohnt sich der Podcast „Laut gedacht – der Propst in der Predigtwerkstatt“. Jede Woche stellt sich Propst Bernhard Stecker aus Bremen den Fragen der wissbegierigen Jugendbildungsreferentin Fabienne Torst. In den Hörbeiträgen sprechen die beiden über die Themen, die der Pfarrer der Gemeinde St. Johann in seiner nächsten Predigt in den Sonntagsgottesdiensten aufgreifen will. 

Die Zuhörer gewinnen theologisches Hintergrundwissen, ohne sich mit komplizierten Fachbegriffen quälen zu müssen. Stecker erklärt zum Beispiel, wie es ist, sich wie Jesus in der Wüste aufzuhalten, in völliger Stille, an einem Ort, an dem Hören, Riechen, Schmecken und Sehen sehr reduziert sind. Und er versucht stets, eine Verbindung zur Gegenwart zu knüpfen: So vergleicht er die im Markusevangelium erwähnte Wolke, aus der die Stimme Gottes ertönt, mit einer heutigen Cloud, dem englischen Wort für Wolke. Auf eine Cloud hat ein Computernutzer zwar Zugriff, aber nie komplett. Ähnlich ist es mit Gott, den kein Mensch ganz begreifen kann. Und so, wie ein Sportler ohne irgendeinen Mitspieler nicht richtig Tennis lernen kann, lassen sich auch ohne Gemeinschaft keine Glaubenserfahrungen machen. 

Eine Fortsetzung nach Ostern ist möglich

Fabienne Torst und Bernhard Stecker führen eine anregende, lebendige Unterhaltung – und haben in der Predigtwerkstatt auch viel zu lachen. Jeder der Beiträge dauert eine gute Viertelstunde. In der ersten Folge beschreibt Stecker, worauf es ihm bei der Vorbereitung von Predigten ankommt. Dazu sieht er sich den Bibeltext an, schaut in Übersetzungen und Bibelkommentare und braucht dann eine intensive Zeit der Ruhe, ohne Telefonanrufe und Besuche. 

Zunächst hat Stecker die Predigtwerkstatt bis Ostern geplant. Aber eine Fortsetzung, möglicherweise in unregelmäßigen Abständen, hält der Propst, der auch Sprecher des Priesterrates im Bistum ist, für möglich. 

Reinhören lohnt sich – nicht allein für katholische Christen aus Bremen.Wie das geht? Über das Internet: Entweder über den Youtubekanal des Katholischen Gemeindeverbands Bremen oder die Homepage, wo die Beiträge auf der Startseite stehen. Entsprechende Links finden sich auch auf der Facebook-Seite „Katholische Kirche in Bremen“. 

Christof Haverkamp