Kinder und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs

Über Ängste reden

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"Wir sind für Sie da": Die Botschaft aus der Corona-Krise gilt auch jetzt für Erwachsene, Kinder und Jugendliche in der Kriegssituation, sagt Christine Themann von der Caritas-Beratungsstelle in Vechta.


Christine Themann von der Caritas in Vechta mit einer wichtigen Botschaft. Foto: Dietmar Kattinger

Nur 1300 Kilometer sind es von Vechta nach Lemberg, etwas weiter als bis zum Gardasee. Aufgrund des Krieges in der Ukraine haben elfjährige Kinder neuerdings Angst, im eigenen Bett zu schlafen. Stattdessen kriechen sie zu Mutter und Vater. Überrascht Sie das?

Nein, das überrascht mich nicht. In dieser Situation besorgt zu sein, Angst zu haben, ist etwas ganz Normales, das jetzt zum Leben dazugehört.

Was sollten Eltern in einem solchen Fall tun?

Wichtig ist erstens, dass die Erwachsenen genau schauen: Was bekommt mein Kind mit? Sie sollten Bescheid wissen über das, was ihr Kind sich auf TikTok oder Instagram anschaut. Zweitens sollten sie wirklich zuhören. Wenn das Kind sagt: Dieser Krieg macht mir Angst, nicht nur zu sagen: mir auch, sondern nachzufragen: Was genau daran macht dir Angst? Es ist ein Unterschied, ob das Kind Sorge hat, dass die Oma des Klassenkameraden in der Ukraine stirbt oder aber der eigene Vater in Neuenkirchen oder Cloppenburg.

Worin liegt der Unterschied?

Die Oma in der Ukraine lebt in der Tat in einer Bedrohungssituation. Sie wird sich schützen, so gut sie kann. Aber sie ist tatsächlich gefährdet. Wenn der Papa aber in Lohne am Frühstückstisch sitzt, dann herrscht dort kein Krieg.

Wenn ich unsicher bin, ob ich darüber sprechen soll ...

... dann ist genau das ein Gesprächseinstieg. Zu fragen: Beschäftigt dich das, was da gerade geschieht? Dann kann es sein, dass das Kind darüber reden will oder pünktlich zum Fußballtraining. Beides ist in Ordnung. Das Wichtige ist, dass der Junge oder das Mädchen die Chance hat, sich zu öffnen. Der Erwachsene sollte signalisieren: Ich bin da, um mit dir über deine Ängste zu reden. Zuhören ist im Zweifelsfall wichtiger, als zu antworten. Eher das Kind reden lassen. Nicht die Idee haben: Ich als Erwachsener muss den Stein der Weisen gefunden haben.

Gar nicht darüber reden, ist nicht realistisch, oder?

Eher nicht. Hilfreicher ist, das Drama rausnehmen. Wenn das Kind sagt, es möchte nicht drüber reden, dann muss man die Grenze auch respektieren. Grundsätzlich rate ich dazu, für viele gute Augenblicke in der Familie zu sorgen. Weitere Empfehlung: Sich zwar selbst informieren, aber nicht den ganzen Tag den Fernseher laufen lassen. Schon gar nicht nebenbei.

Welchen Tipp haben Sie für Eltern, die Angst haben?

Die wichtigste Botschaft ist, nicht so zu tun, als hätten sie keine Angst. Mutter und Vater können aber signalisieren: Ich bin erwachsen und ich werde damit umgehen. Wir werden dazu Lösungen finden. Im Moment passiert das in der Ukraine. Wenn wir hier in eine Bedrohungssituation kommen, dann sind Mama und Papa immer da und wir schützen dich.

Interview: Dietmar Kattinger

Diplom-Sozialpädagogin Christine Themann ist Mitarbeiterin der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Vechta. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sind online erreichbar. Beratung ohne Voranmeldung dienstags von 14.30 bis 18 Uhr und donnerstags von 9 bis 11.30 Uhr unter Telefon 0 44 41/8 70 76 90. Weitere Infos gibt es hier.