Dominicus predigt bei Männerwallfahrt nach Rulle

Bischof warnt vor AfD-Programm

Image
Bischof Dominicus Meier Osnabrück
Nachweis

Foto: Bistum Osnabrück

Caption

Bischof Dominicus Meier predigte am vergangenen Sonntag in der Kirche St. Johannes in Rulle anlässlich der 93. Männerwallfahrt.

Der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier predigte erstmals bei der Männerwallfahrt nach Wallenhorst-Rulle. Die etwa 350 Zuhörenden in der Kirche St. Johannes erlebten einen Bischof, der das Leitwort der Wallfahrt „Raum geben“ auch auf die aktuelle Situation bezog und unter anderem rechtsextreme Strömungen im Land in den Blick nahm.

So kritisierte der Bischof in seiner Predigt auch das Programm der AfD zur Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt. Er sagte: „,Patriotische Kulturpolitik‘ und ‚deutsche Identität‘ werden dort konkretisiert: ‚Linke‘ oder ‚grüne‘ Bildungsarbeit – darunter zählt die AfD auch kirchliche – soll finanziell ausgetrocknet werden. Da ‚Kultur‘ in die Länderhoheit fällt, könnte eine AfD-Landesregierung hier schnell handeln. Was ‚deutsch‘ dabei bedeutet, bleibt unklar; ‚international‘ gilt als Schimpfwort.“

Dieses Programm sei weder christlich noch eröffne es neue Lebensräume, folgerte der Bischof. „Christsein bedeutet Gastfreundschaft, kulturelle Offenheit, internationale Solidarität, Einsatz für Arme und Vertriebene sowie die Bewahrung der Schöpfung.“

Die Partei zerschlage mit ihrer Agenda die Grundlagen des Zusammenlebens und untergrabe die gemeinsame Verantwortung für das Gemeinwohl. „Die AfD rettet nicht, wie sie behauptet, das ‚christliche Abendland‘, sondern zerstört es.“

Bischof Dominicus betonte dagegen, es gehe darum, Lebensräume zu schaffen, statt Türen zu verschließen. „Wir müssen den Veränderungen in Kirche und Gesellschaft mit Glaubensmut begegnen, nicht mit einengender Angst“, sagte er. (kb)
 

Die „Wallfahrt zum kostbaren Blut und zur Schmerzhaften Mutter“ in Rulle gibt es schon seit dem Mittelalter. Die erste Männerwallfahrt nach Rulle fand am 12. Juni 1932 als „Sühne- und Bittwallfahrt“ statt. Der damalige Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning hatte sie angesichts der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Not sowie des aufkommenden Nationalsozialismus ins Leben gerufen. Seitdem wird die Wallfahrt – mit wenigen Ausnahmen – jährlich wiederholt – 2026 zum 93. Mal.