Papst Leo XVI. beim Weltjugendtreffen

Er lächelt fast schüchtern

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Papst Leo Weltjugendtreffen
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Foto: Cristian Gennari/Romano Siciliani/kna

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Papst Leo betont beim Weltjugendtreffen im Vatikan, dass er junge Menschen als Hoffnungsträger sieht. Und sie feiern ihn.

Beim Weltjugendtreffen begeistert Papst Leo ein großes Publikum. Zwar wirkt er nicht so spontan und nahbar wie sein Vorgänger Franziskus. Doch seine Energie, seine Spiritualität und seine Friedenssehnsucht kommen an.

„Ihr seid das Salz der Erde, das Licht der Welt!“ Schlichte, jedem bekannte Kernaussagen aus der Bibel. Mit diesen Worten hat Papst Leo XIV. die katholische Jugend der Welt als Hoffnungsträger und Friedensstifter beauftragt. Die nächsten Jahre werden zeigen, inwieweit die junge Generation diesen Auftrag annimmt und umsetzen kann. Und wie sie mit dem neuen Papst klarkommt.

Das Weltjugendtreffen in Rom, Höhepunkt des Heiligen Jahres 2025, bot eine wichtige Gelegenheit für Leo, sich als Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken zu profilieren. Für den seit 100 Tagen amtierenden Papst war das eine Feuerprobe. Die hat er bestanden – wenn man nach dem Jubel der bis zu einer Million Teilnehmenden urteilt.

Schon mit seinem ersten überraschenden Auftritt am Dienstagabend auf dem Petersplatz zog er alle in seinen Bann. Bei einer halbstündigen Fahrt im Papamobil begrüßte und segnete er die begeisterten jungen Menschen. Anders als sein Vorgänger Franziskus ist Leo keiner, der Leute spontan in die Arme schließt. Aber umso mehr wird sein fast schüchternes, offenes Lächeln registriert – oder wenn er „Daumen hoch“ zeigt oder sich mit Menschen abklatscht.

Teilnehmerinnen Weltjugendtreffen
Teilnehmerinnen vom Weltjugendtreffen in Rom. Foto: kna/Romano Siciliani/Cristian Gennari  

Beim Weltjugendtreffen stellte er sich ohne Redemanuskript vor das Mikrofon auf der Altarbühne und rief die Jugendlichen in seinen drei üblichen Sprachen Englisch, Spanisch und Italienisch auf, Hoffnung und Frieden in die Welt zu tragen. Diese quittierten den seltenen Spontan-Auftritt mit anhaltendem Jubel und den Rufen „Papa Leone“ und „Esta es la juventud del Papa“, übersetzt: Das ist die Jugend des Papstes. Und Leo verlässt sich auf diese Jugend.

Der erste US-Amerikaner im Papstamt hat bisher weder die explosive Persönlichkeit von Johannes Paul II. (1978-2005) noch die theologische Tiefe von Benedikt XVI. (2005-2013) oder gar die Spontaneität von Franziskus (2013-2025) gezeigt. Bei seinen Auftritten auf großer Bühne wirkt er kontrolliert und fast ängstlich – ganz entsprechend seinen eigenen Worten bei seiner Einführungsmesse am 18. Mai auf dem Petersplatz. Scherze und Pointen aus dem Handgelenk sind rar, sein Humor ist eher leise. Aber er präsentiert sich als ein Papst voller Energie.

Er fängt Plüschtiere mit links

Dabei profitiert er mit seinen 69 Jahren von seiner körperlichen Fitness. Mitte Mai empfing der Hobbytennisspieler den italienischen Weltranglisten-Ersten Jannik Sinner und scherzte über eine mögliche eigene Wimbledon-Teilnahme. Der Fußball- und Baseball-Fan fängt im Papamobil Plüschtiere geschickt mit links aus der Luft auf. Und beim Weltjugendtreffen trug er mühelos das hölzerne Pilgerkreuz zum Altar – viele steile Stufen hoch.

Symptomatisch auch eine Szene, die zahllose Male in sozialen Netzwerken geteilt wurde und ihn nahbar macht: Ein sichtlich erfreuter Papst nimmt auf dem Petersplatz eine Pizzaschachtel entgegen, die ihm Jugendliche aus Chicago ins Papamobil lieferten – angeblich von seiner dortigen Lieblingspizzeria. „So sweet!“, so einer der vielen „Herzchen“-Kommentare über den leicht überwältigt wirkenden Pontifex.

Er kniet eine halbe Stunde schweigend

Andererseits zeigte sich der frühere Augustiner-Prior und studierte Kirchenrechtler von Anfang an sehr spirituell. Bei der langen, eindrücklichen Gebetsnacht im römischen Stadtteil Tor Vergata, mit ergreifender Musik untermalt von Orchester und Chor der Diözese Rom, kniete er rund eine halbe Stunde schweigend vor der Monstranz – und fast eine Million Jugendliche auf dem riesigen Gelände knieten und schwiegen mit ihm.

Seine Ansprachen mögen manchen jungen Menschen zu verkopft sein, doch spricht Leo ihre Suche nach Sinn und ein Hauptthema dieser Generation an: den Frieden in der Welt. Dass er seine Ansprachen fast immer abliest, dürfte einer Sorge vor Versprechern, Missverständnissen und Fehlinterpretationen gerade theologisch oder politisch heikler Aussagen entspringen.

Deutsche beim Weltjugendtreffen
Nur rund 1.800 Deutsche nahmen am Weltjugendtreffen teil. Foto: kna/Romano Siciliani/Antoine Mekary 

Bei seinen improvisierten Worten in Tor Vergata war er sichtlich aufgeregt und kurz davor, sich zu verhaspeln – ganz ähnlich wie die drei Jugendlichen, die ihm am Abend zuvor auf offener Bühne vorformulierte Fragen stellen durften. Einen freien Dialog zwischen den jungen Leuten und dem Papst hatten die Organisatoren vermieden – warum auch immer.

Bei seinem kurzen Gruß am Sonntagmorgen des Weltjugendtreffens sprach Leo dann erstmals öffentlich Deutsch und sagte: „Guten Morgen“. Dabei waren nach Angaben des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) nur 5000 Deutschsprachige aus Österreich, der Schweiz und Deutschland angereist, darunter ganze 1800 Deutsche.

Alle anderen haben etwas verpasst, so der Tenor beim Weltjugendtreffen, besonders die Auftritte des neuen Papstes. Ludwig aus Traunstein fand Leo schon am Abend seiner Wahl sehr sympathisch und menschlich: „Man hat gesehen, dass er aufgeregt war und vielleicht gedacht hat: Oh, was hab ich mir denn hier für ’ne Aufgabe aufgehalst!“ Er setzt große Hoffnungen in den Papst – und betont, erreichte Reformen dürfe Leo nicht zurückdrehen.

Rebekka aus München findet es klasse, dass Leo auf ihre Generation setzt. „Er hat uns beauftragt, Hoffnung und Frieden in die Welt tragen, wo es doch gerade so viele Kriege gibt“, sagt sie. „Ich wünsche mir, dass der Papst so weitermacht und immer für die Jugend da ist.“ Das nächste große Date mit Leo XIV. steht schon: der Weltjugendtag im August 2027 in Seoul.

Sabine Kleyboldt