Aktion Dreikönigssingen
Sternsinger aus Lingen im Bundeskanzleramt
Foto: Mika Väisänen/Kindermissionswerk
Die Sternsingerinnen Greta (17), Mathilda (16), Antonia (16) und Kathrin (16) sowie Begleiterin Anna Fühner aus der Kirchengemeinde St. Gertrudis in Lingen vertraten das Bistum Osnabrück in diesem Jahr beim Sternsingerempfang im Bundeskanzleramt. Zum Gruppenfoto mit Thorsten Frei, Chef des Bundeskanzleramts, stellten sie sich gemeinsam auf mit Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, und Daniela Hottenbacher, Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).
„Ganz herzlichen Dank dafür, dass ihr diesen Dienst tut für andere Kinder auf der Welt und natürlich auch für die Menschen in Euren Pfarreien, die sich freuen, wenn um den Dreikönigstag die Sternsinger vorbeikommen und die Häuser segnen“, sagte Frei. Er fand viele lobende Worte für die engagierten Kinder und Jugendlichen. Der Bundeskanzler war wegen eines wichtigen politischen Termins in Paris kurzfristig verhindert, ließ von seinem Vertreter aber wertschätzende Grüße ausrichten.
Minister Frei, der „acht oder neun Jahre selber Sternsinger“ in seiner Jugend war, machte gleich mehrfach deutlich, wie sehr er das Engagement der vielen Königinnen und Könige schätzt. 108 von ihnen waren aus allen Himmelsrichtungen nach Berlin gekommen und mit glänzenden Kronen und großen Sternen ins Bundeskanzleramt eingezogen. Mit dabei eine wichtige Botschaft: „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ heißt das Motto der aktuellen Aktion Dreikönigssingen. Überall in Deutschland machen die Sternsingerinnen und Sternsinger in diesen Tagen auf ihrem Weg zu den Menschen deutlich, wie wichtig es weltweit für Mädchen und Jungen ist, dass sie zur Schule gehen können statt arbeiten zu müssen.
Kinderrechte brauchen politische Unterstützung.
„Bildung und die Chance, lernen zu dürfen, ist die Voraussetzung, dass man dann wirklich ein selbstbestimmtes Leben führen kann“, machte Kanzleramtsminister Thorsten Frei deutlich. Das Engagement der Sternsingerinnen und Sternsinger sei wichtig, um genau dies immer wieder ins Bewusstsein zu bringen. „Ihr seid damit auch ein Vorbild für viele Gleichaltrige. Und Ihr seid auch ein Vorbild für viele Erwachsene, weil Ihr selber etwas tut und auf die Probleme in der Welt hinweist.“
Im Namen der bundesweiten Aktionsträger bedankte sich Daniela Hottenbacher, Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), bei Minister Frei für die Einladung und warb im Sinne der Kinder in aller Welt um die Unterstützung aus der Politik: „Kinderrechte brauchen politische Unterstützung. Sie brauchen klare Entscheidungen in der Entwicklungszusammenarbeit, ein konsequentes Vorgehen gegen Kinderarbeit entlang globaler Lieferketten und das klare Bekenntnis zu Deutschlands internationaler Verantwortung. Wir bitten Sie daher, sich dafür einzusetzen, dass Kinder weltweit geschützt werden, dass sie lernen können, statt zu arbeiten, dass Gewalt gegen sie benannt und verhindert wird, und dass Kinder, die besonders gefährdet sind, gezielt gestärkt werden.“
Für das 16-köpfige Team der Sternsingeraktion St. Gertrudis Lingen-Bramsche, das sich auf den Weg nach Berlin gemacht hatte, war die Reise ein großes Abenteuer. Seit 1984 bringen die Sternsingerinnen und Sternsinger jedes Jahr ihren Segen ins Bundeskanzleramt. Jeweils vier Königinnen und Könige aus allen 27 Bistümern repräsentieren dabei alle Kinder und Jugendlichen, die sich bundesweit an der Aktion beteiligen.
Bovenschulte freut sich über Sternsinger-Besuch im Bremer Rathaus
Auch der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte empfing hohen Besuch im Rathaus: fast 100 als Heilige Drei Könige verkleidete Kinder aus der Stadt. „Es ist einer meiner schönsten Termine“, sagte Bovenschulte und sang mit den Sternsingern das Lied „Wir kommen daher aus dem Morgenland“. Sternsinger Moritz Rehberg aus der Kirchengemeinde Heilige Familie in Bremen-Grohn schrieb mit Kreide den Segensspruch „20+C+M+B+26“ an die Rathaustür. Die Buchstaben CMB stehen für „Christus mansionem benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“.
In der Oberen Rathaushalle griff Bovenschulte selbst zur Gitarre und sprach dann über die Aktion der Sternsinger, die in diesem Jahr unter Motto „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ steht. Er erinnerte daran, dass es in früheren Jahrhunderten auch in Deutschland Kinderarbeit gab und nannte den Kampf dagegen eine „ganz, ganz wichtige Aufgabe“.
Einige Sternsinger berichteten über die Situation in Bangladesch, wo viele Kinder aus armen Familien arbeiten. Dazu gehörte zum Beispiel das Mädchen Nour, die mit sechs Jahren in einer Snackfabrik arbeiteten musste, und der Junge Tazim, der Aluminiumschüsseln produzierte und für elf Stunden Arbeit einen Lohn von umgerechnet 1,50 Euro erhielt. Dann steckte Bovenschulte Geld in die Spendenbüchsen der Gruppen aus den einzelnen Kirchengemeinden und ließ sich mit den Kindern fotografieren.
Im vergangenen Jahr sammelten die Sternsinger in Bremen 62.671,09 Euro. Davon kamen 44.264,86 Euro aus den fünf Kirchengemeinden des Katholischen Gemeindeverbandes Bremen (südlich der Lesum) und 18.406,23 Euro aus den katholischen Kirchengemeinden in Bremen-Nord. Das Geld der Aktion Dreikönigssingen unterstützt Projekte für Kinder weltweit.