Starke Frauen Teil 1

Wie diese Ordensfrau sich für Reformen einsetzt

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Schwester Philippa Rath
Nachweis

Foto: kna/Julia Steinbrecht

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Schwester Philippa Rath setzt sich seit vielen Jahren für Reformen in der Kirche ein. Sie glaubt daran, dass Änderung möglich ist.

Wir stellen fünf Ordensfrauen vor, die sich kraftvoll für Gutes einsetzen. Sie ringen um Reformen, zeigen Mut im Angesicht von Krieg. Sie schützen Geflüchtete, setzen sich für den Klimaschutz ein oder unterstützen Kranke.

Wenn Schwester Philippa Rath auf den Synodalen Weg zurückblickt, hat sie gemischte Gefühle. Sie erinnert sich an die Aufbruchstimmung und Euphorie zu Beginn, dass sich jetzt endlich etwas bewegen wird. „Der Grund für den Synodalen Weg, die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, war allen Beteiligten deutlich vor Augen. Uns war klar, dass wir dringend die Stellschrauben bewegen müssen, die wir bewegen können“, sagt die Benediktinerin aus der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen.

Sie weiß noch, wie kräftezehrend die fünf Jahre des Synodalen Wegs waren. „Es war anstrengend. Ich würde fast schon sagen: verschleißend“, sagt Schwester Philippa. Die Vollversammlungen mit den eng getakteten Sitzungen, die Arbeit im Forum „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“, die Textarbeit davor.

„Das Bewusstsein hat sich verändert.“

Doch aufgeben kam für Schwester Philippa nicht infrage. Als Delegierte der Deutschen Ordensobernkonferenz nahm sie am Synodalen Weg teil. „Unser Orden ist der älteste der Kirche, 1500 Jahre alt“, sagt Rath. „Und immer gab es bei uns Frauen in Leitungsfunktionen, auch in geistlichen. Das ist selbstverständlich bei uns. Da kann die Kirche viel von den Orden lernen.

“Ihren Einsatz für Reformen beim Synodalen Weg würde sie nicht als Kampf bezeichnen. Eher als ein Ringen um notwendige Veränderungen. „Es gab Meinungsverschiedenheiten, die auch deutlich geäußert wurden. Aber ich fand das gut“, sagt Schwester Philippa. „Das war keine Wohlfühl-Veranstaltung. Wir haben versucht zusammenzukommen. An manchen Stellen ist es uns gelungen, an anderen nicht.“ Sie fand es schade, dass einige konservative Vertreter den Synodalen Weg verlassen haben: „Mir persönlich hat es auch immer viel Erkenntnis gebracht, die Gegenpositionen zu hören. Wenn man sich immer nur in den Kreisen bewegt, die die eigene Meinung bestätigen, lernt man wenig dazu.“

Schwester Philippa mit dem Fuldaer Bischof Michael Gerber
Diskussionsfreudig: Schwester Philippa mit dem Fuldaer Bischof Michael Gerber und weiteren Delegierten beim Synodalen Weg. Foto: kna

Dass sie sich für Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche und Frauen in Leitungspositionen einsetzen würde, konnte Schwester Philippa (70) sich bis vor einigen Jahren nicht vorstellen. Im Theologiestudium Ende der 1970er Jahre hatte es Momente gegeben, die sie aufhorchen ließen. Etwa, als Papst Johannes Paul II. die Predigt für Laien unterband und ihre Predigtausbildung von heute auf morgen abgebrochen wurde. Doch im Kloster erlebte sie Frauen selbstverständlich in verantwortlichen Positionen – das Thema verlor für sie zunächst an Brisanz.

Das änderte sich, als sie Aufgaben im Gästehaus der Abtei übernahm und geistliche Begleiterin der Binger Gruppe der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) wurde. Sie traf auf Frauen, die unter ihren vorgesetzten Klerikern litten und ob der mangelnden Teilhabe frustriert waren – und auf Frauen, die eine Berufung zum Diakoninnen- oder Priesterinnenamt in sich wahrnahmen, diese aber nicht leben durften, einzig weil sie Frauen waren.

„Mir ist klar, dass es noch ein langer Weg ist.“

Wie es weitergeht? Schwester Philippa sagt: „Der Synodale Weg hat eine deutliche Bewusstseinsänderung bewirkt.“ Sie wisse von vielen Bischöfen, dass die Diskussionen deren Denken über die Rollenverteilung in der Kirche verändert haben. Rath sagt: „Mir ist klar, dass es noch ein langer Weg ist, bis sich kirchliche Strukturen verändern werden. Aber das Entscheidende ist, dass sich das Bewusstsein schon verändert hat.“

Kerstin Ostendorf