Osnabrücker Dom wieder offen
Gottesdienst ohne Stühle und Bänke

Foto: Hermann Queckenstedt
Großreinemachen im Dom: Während der Steinmetz Ajithan Sivapatham (50) den Natursteinboden großflächig mit einer „Scheuersaugmaschine“ reinigte, unterstützte ihn der Lehrling Bennett Voßeberg (20) mit einem Schrubber.
Kirchgänger wissen Sitzbänke in Gotteshäusern sehr wohl zu schätzen, doch in mittelalterlichen Kirchen waren diese gar nicht vorgesehen. Ohne die Sitzmöbel entfaltet der Kirchenraum eine gänzlich andere Wirkung, der interessierte Besucher am Sonntag, 2. März, im Osnabrücker Dom nachspüren können.
Seit Mitte Januar war die Kathedrale geschlossen, um die gesamte Elektrik zu erneuern und rund 380 Halogenlampen durch ebenso zeitgemäße wie energiesparende LED-Leuchten zu ersetzen. Zunächst mussten jedoch sämtliche Sitzbänke aus dem Dom geräumt werden, weil die Handwerker auf Rangierfreiheit für ihre Hubsteiger angewiesen waren. Derzeit erhält der Kirchenraum den letzten Feinschliff, denn bei den Arbeiten hatte es auch gestaubt und in den zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnten hatte sich zudem neben undefinierbaren Flecken auch so mancher Kaugummi auf dem Natursteinboden festgesetzt.
Für Weihbischof Johannes Wübbe ist das Ende der Arbeiten eine willkommene Gelegenheit, als Domdechant den ersten Gottesdienst nach der mehrwöchigen Schließung am Sonntag um 10 Uhr einmal ohne Bestuhlung zu feiern und so die Potenziale des Raumes auszuloten. Musikalisch mitgestaltet wird die Messfeier von Domorganist Balthasar Baumgartner und den Knaben- und Mädchenchören des Domes unter Leitung von Julia Arling.
Im Anschluss werden Dombaumeisterin Sara Pohlmann und die beteiligten Bau- und Lichtexperten zwischen 11.30 und 13 Uhr für Fragen zu den Arbeiten und zur neuen Beleuchtungsanlage zur Verfügung stehen. Am Nachmittag wird Diözesanmuseums-Direktor Hermann Queckenstedt unterschiedliche historische Aspekte des Domes in insgesamt drei kostenlosen Führungen erläutern.
Bei den Rundgängen um 13.30 und 16.30 Uhr wird es um das Zusammenspiel von Licht, Raum, Bewegung, Musik und Wort gehen, das die Gottesdienste im sinnlich reizarmen Mittelalter zu einem besonderen geistlich-künstlerischen Gesamtkunstwerk machte. Die über 40 im gesamten Kirchenraum positionierten Altäre wurden seinerzeit täglich genutzt, um in stillen Gedenkmessen für das Seelenheil Verstorbener zu beten. In einer weiteren Führung um 15 Uhr sollen jene Menschen im Mittelpunkt stehen, die sich seit dem hohen Mittelalter, angetrieben von frommer Gesinnung oder eitler Selbstdarstellung, mit ihrem Bildnis in der Kathedrale „verewigt“ haben.
Auch ohne Erläuterungen und Führungen steht das Gotteshaus bis 18 Uhr für Besucherinnen und Besucher offen, bevor es am Montag und Dienstag für den Rücktransport der Kirchenbänke erneut geschlossen werden muss. Am Aschermittwoch wird der Dom dann zur gewohnten Gottesdienstordnung zurückkehren und darüber hinaus wie gewohnt außerhalb der Messfeiern für persönliche Gebete und Besichtigungen zugänglich sein. (kb)