In den Vinzenzkonferenzen engagieren sich mehr als eine Million Menschen weltweit
Herzlichkeit statt Einsamkeit

Foto: Thomas Osterfeld
Ein Lächeln zaubern die Mitglieder der Vinzenzkonferenz Heilig Kreuz auf die Gesichter der Senioren, die zum Mittagstisch kommen.
Es ist, als ob Festgäste erwartet werden: Im Gemeindezentrum sind die Tische feierlich gedeckt mit weißen Tischdecken, Frühlingsblumen, gefalteten Servietten, farbenfroher Dekoration. Eine wohlige Wärme breitet sich aus. Und das liegt nicht nur an der angenehmen Zimmertemperatur bei frostigem Außenwetter und den dampfenden Speisen auf den Tischen. Auch die Menschen, die dies alles vorbereitet haben, strahlen Wärme und Herzlichkeit aus.
Es gibt jedes Mal eine Warteliste
Der Raum füllt sich. Einmal im Monat bietet die Osnabrücker Pfarrei Heilig Kreuz im Gemeindezentrum Maria Rosenkranz einen Mittagstisch an. Heute ist es wieder so weit. Das Vorbereitungsteam hat ganze Arbeit geleistet: Es wurden Tische gerückt und gedeckt, das Essen vom Caterer angerichtet, Nachtisch und Kaffee vorbereitet. „Wir wollen etwas gegen die Einsamkeit vieler Menschen tun. Das Angebot wird seit Beginn sehr gut angenommen“, erzählt Michael Günther und freut sich. Er führt die Teilnehmerliste, kontrolliert die Anmeldungen, begrüßt die Gäste. Knapp 40 Personen, überwiegend Senioren, kommen seit einem Jahr einmal monatlich zum gemeinsamen Mittagessen. Das Interesse ist groß – es gibt jedes Mal eine Warteliste.

Das siebenköpfige Vorbereitungsteam ist gut eingespielt. Jeder hat eine Aufgabe. So sind Margret Löser und Maria van Kampen für die Tischdekoration zuständig, die stets ein Highlight ist. Margret Löser blättert in ihrem Handy, zeigt Fotos: Schneeflocken, Tod und Leben, Ostern, Frühling, Advent und Weihnachten – all das war bereits Thema auf den Tischen und wurde liebevoll dekoriert. Darüber hinaus bereitet die Seniorin jedes Mal ein passendes Dessert zu – immer zwei verschiedene Sorten, denn „nicht jeder mag alles“, meint sie schmunzelnd.
Das Team ist Teil der Vinzenzkonferenz der Pfarrei. Diese Gruppierung wurde in Heilig Kreuz 1965 von sechs Männern gegründet. Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht zu helfen, caritativ tätig zu sein – so wie es der Gründer der Gemeinschaft, der heilige Vinzenz von Paul, im 17. Jahrhundert vorgelebt hat. Nach seinem Vorbild gründete 1833 der Student und spätere Professor an der Sorbonne, Friedrich Ozanam, in Paris eine caritative studentische Konferenz, die später den Namen Vinzenzkonferenz erhielt. Viele weitere folgten europaweit. In Deutschland markierten die „Vinzenz-Vereine“ schließlich den Beginn der organisierten Caritas. Früher waren es reine Männergruppen, Frauen wirkten lange Zeit im Elisabeth-Verein für die Fürsorge der Menschen in den Gemeinden.
Etliche Vereine haben sich mittlerweile aufgelöst. In Osnabrücks Arbeiterstadtteil Schinkel mit vielfältigen sozialen Schieflagen und einem hohen Anteil an Arbeitslosigkeit, Migration und Einsamkeit packen die Vinzenzbrüder und -schwestern der Pfarrei Heilig Kreuz jedoch bis heute tatkräftig an, wo Not herrscht. War dies in den Anfangsjahren eher die Hilfe bei Wohnungssuche oder beim ganz praktischen Einkellern von Kartoffeln oder Kohlen, ist es heute ein starker Einsatz für Integration oder das gemeinsame Mittagessen als Reaktion auf die zunehmende Einsamkeit in der Bevölkerung. Darüber hinaus gibt es ein Begegnungscafé für Menschen aller Religionen und Kulturen, Einzelbegleitungen und Unterstützung bei vielfältigen Problemlagen.
Sprachrohr für Bedürftige
Bis heute ist für die Menschen in Heilig Kreuz klar: „Wenn es irgendwo Notlagen gibt, dann ruft man jemanden aus der Vinzenzkonferenz an“, erzählt Maria Lückmann, Sozialpädagogin im Gemeindedienst. Sie begleitet die elfköpfige Gruppe, die aus dem Leben der Pfarrei nicht mehr wegzudenken ist. Mitglied Manfred Göcken erzählt: „Ich bin für viele ein Gesicht der Pfarrei geworden, ein Sprachrohr gegen die Sprachlosigkeit.“ Beim Mittagstisch mischt er sich wie seine Mitstreiter unter die Gäste, knüpft Kontakte, erfährt viel von den Sorgen und dem Leben der Menschen. Ihm und allen Mitgliedern der Gruppe ist es ein echtes Herzensanliegen zu helfen. So wie es auch der heilige Vinzenz von Paul getan hat.
Mehr als eine Million Menschen engagieren sich ehrenamtlich in 60 000 Vinzenzkonferenzen weltweit. Im Bistum Osnabrück gibt es davon noch zwei Gruppierungen: in der Pfarrei Heilig Kreuz, Osnabrück, und in der Propstei St. Johann, Bremen. (df)
Hier geht es zur Webseite der Gemeinschaft der Vinzenkonferenzen.