Ein Plädoyer für Toleranz und Achtsamkeit

"Walk der Vielfalt" in Norden

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schirmchen
Nachweis

Foto: privat

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Solche kleinen "Segensschirme" bekommen die Gäste beim "Walk der Vielfalt"  als Geschenk.

Die St.-Ludgerus-Gemeinde im ostfriesischen Norden will Mitte August ein Zeichen setzen. Für Toleranz und ein achtsames Miteinander, gegen Ausgrenzung und vorschnelle Urteile. Mit einem „Walk der Vielfalt“ will die Aktionsgruppe die Herzen der Gäste berühren.

„Vor Gott sind wir alle gleich. Nicht, weil wir alle gleich aussehen, sondern weil wir alle gleich viel wert sind“, sagt Marlene Specker und bringt damit sowohl die Haltung als auch den Antrieb der Aktionsgruppe auf den Punkt. Specker kümmert sich als Katechetin der Norder Gemeinde um Familien, Kinder und Jugendliche. Gemeinsam mit Nikola Horn, Mitgliedern der vietnamesischen Gemeinschaft, einer Norder Familie und einem iranischen Ehepaar hat sie den „Walk der Vielfalt“ nach der Sonntagsmesse am 16. August organisiert. Weil alle damit zeigen möchten, dass verschiedene Konfessionen und Generationen, Nationalitäten und Kulturen eine Bereicherung sind. „Gott liebt nicht das perfekte Outfit unseres Lebens, sondern den Menschen darin“, sagt sie. 

Danke in vielen Sprachen

Was die Gäste bei der Norder Kirche sehen? Eine bunte, fröhliche und auch nachdenklich stimmende Präsentation auf einer Art Laufsteg. Da hält eine Familie vom Kind bis zur Oma ein „Danke“ in verschiedenen Sprachen in die Luft. In diesem Wort, meist zu selten gesagt, liegt nach Ansicht von Marlene Specker viel Wertschätzung, Achtung und Aufmerksamkeit füreinander. „Haben wir doch mehr Mut, mal öfter anderen einfach Danke zu sagen“, findet sie.

Bei einem weiteren Beitrag nehmen vietnamesische Geschwister und ein iranisches Ehepaar das Publikum mit in ihre alte Heimat. Es gibt einen Tanz in traditioneller Kleidung sowie ein Gedicht in persischer und deutscher Sprache. Es stammt von Saadi, einem der bedeutendsten persischen Dichter des 13. Jahrhunderts, und erzählt davon, dass wir Menschen alle denselben Ursprung haben: 

 

"Die Menschen sind Glieder eines einzigen Körpers, 

denn sie stammen alle aus demselben Ursprung. 

Wenn das Schicksal einem Glied Schmerzen zufügt, 

finden die anderen Glieder keine Ruhe. 

Wenn dich das Leid anderer Menschen unberührt lässt, 

verdienst du nicht den Namen 'Mensch'. "

 

Bei dem dritten Auftritt darf dann die ganze Gemeinde mitmachen. Es geht um Hüte – und davon sollen die Gäste jede Menge von zu Hause mitbringen: Basecaps, Pudelmützen, Beanies, Sonnenhüte, Melonen, Zylinder, Elbsegler, Turbane. „Was auch immer“, sagt Marlene Specker. Die so verschiedenen Hutformen symbolisieren für die Katechetin ganz bunt, ganz lebendig die bereichernde Vielfalt des Lebens. Und sie stehen zugleich für Geborgenheit und Schutz, „wenn wir gut behütet sind“. Das macht dann auch Mut, an Herausforderungen zu wachsen – wie ein weiterer Beitrag vermitteln will, bei dem Kinderhelden von den Teletubbies bis zu Spiderman und Elsa über den Laufsteg flanieren. 

Eine Welt, die ständig bewertet

Herausfordernd und zuweilen eher entmutigend fühlt sich das Leben dennoch für manche Menschen im Alltag an. Immer wieder hat Specker bei ihrer Arbeit gehört, dass Jugendliche wegen ihres Aussehens gemobbt werden, dass Männer und Frauen anderer Herkunft, Hautfarbe und Religion Ressentiments erfahren. „Das begegnet mir leider oft“, sagt sie. „Wir leben in einer Welt, die ständig bewertet. Ob im Internet, am Arbeitsplatz oder in der Schule – der Schein zählt und oft definieren wir unseren Wert danach, wie wir von anderen gesehen werden.“ Sie hofft, dass der „Walk der Vielfalt“ die Zuschauer darüber nachdenken lässt.

Hüte
Bunt wie das Leben: Viele verschiedene Hüte sollen bei der Aktion in Norden die bereichernde Vielfalt der Kulturen symbolisieren. Fotos: privat

 

Dazu bekommen sie am Ende einen ganz besonderen Schirm mit nach Hause. Die „Ganz Kreativen“, eine Gruppe in St. Ludgerus, hat 160 kleine „Segenschirme“ aus Papier gebastelt. Bunt bemalt und mit dem Satz „Gott segne dich“ beschriftet. Sie sind ein Sinnbild im christlichen Glauben. „Als Zeichen, dass wir alle unter dem Schutz Gottes stehen“, sagt Specker.

Petra Diek-Münchow

Der „Walk der Vielfalt“ findet am Sonntag, 16. August, nach dem Gottesdienst in St. Ludgerus (Beginn 10.30 Uhr) auf dem Parkplatz bei der Kirche an der Osterstraße 21 im ostfriesischen Norden statt. Alle Interessierten sind eingeladen.