Erinnerungen an die RKW

Seit jeher Herzenssache

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RKW-Kind stapelt Steine
Nachweis

Foto: Johanna Marin

Dieses Jahr stand die Religiöse Kinderwoche (RKW) unter dem Thema „Herzenssache“ – doch Herzenssache ist sie schon lange. Seit den Anfängen der DDR 1949 gibt es sie in Ostdeutschland – ursprünglich, um katholischen Kindern eine Alternative zu den staatlichen Ferienspielen zu bieten. Und noch immer machen jedes Jahr Tausende Kinder in ihren Pfarreien mit. Glaubensinhalte besprechen, spielen, mit Freunden rumalbern… Welche Erinnerungen bleiben eigentlich hängen, bei den alten und jungen RKW-Kindern?


 

Endlich nicht das einzige katholische Kind sein

Als meine Kollegin mich fragte, wie das denn früher so gewesen sei, bei der RKW, da fiel mir nur eins ein: toll! Es war ein super Gemeinschaftsgefühl.

In den 70er Jahren in der DDR, da war man meist das einzige Kind in der Klasse, das katholisch war. Aber dort, zur RKW, da waren wir viele, die ganz selbstverständlich an Gott glaubten und in die Kirche gingen.

In Leipzig gab es das Kolpinghaus. In der kleinen Kapelle feierten wir Gottesdienste und in den Unterrichtsräumen hatten wir Religionsunterricht, die Kleinen gingen in die Frohe Herrgottsstunde und auch der Kinderchor probte da. Zur RKW gab es dort morgens eine Katechese und danach wanderten wir alle durch den Auwald nach Connewitz ins Bischof-Petrus-Haus. Schon diese Stunde Fußmarsch war Abenteuer pur. Die Kleineren ärgerten gerne mal die Größeren, denn es gab am Wegesrand jede Menge Kletten. Dort angekommen, aßen wir an langen Tischen Mittagessen und Vesper. Im großen Pfarrgarten wurde gespielt, gelacht und viel gesungen, neue Freundschaften geschlossen, alte vertieft und immer in dem Bewusstsein, ich bin nicht allein mit meinem Glauben. Das waren zwei wunderbare Wochen, die wir gemeinsam verbringen konnten.
// Monika Krayl

 

Mitwachsen und gleichbleiben

Ich bin vier Jahre alt, stehe auf einer Bank und blinzle in die Sonne. Hinter mir ein älteres Mädchen, das mir eine dunkle Brille fest auf die Nase drückt. Es ist Sonnenfinsternis, 11. August 1999, und wir sind Besucher der RKW der Pfarrei Sanctissima Eucharistia aus Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf. Dass ich mitkommen darf, ist eine Ausnahme – eigentlich dürfen nur Schulkinder mitfahren. Die Sonnenfinsternis ist meine einzige Erinnerung aus diesem Jahr.

Drei Jahre später bin ich sieben. Meine Mutter, eine der Betreuerinnen, steht mit ihrem Handy am Ohr zwischen über 60 Kindern, Rücken an Rücken mit dem damaligen Kaplan. Er hält ebenfalls ein Handy in der Hand und spricht die Stimme Gottes. Beten ist also wie telefonieren, lerne ich damals – wir sehen Gott dabei nicht, aber er hört zu und spricht mit uns.

Inzwischen bin ich in der dritten Klasse – das Zimmer teile ich mir mit meiner besten Freundin, Anna, und einem Mädchen, das wir gerade erst kennengelernt haben. Sie heißt auch Anna. Gemeinsam sitzen wir in der Messe, die wir auf unserer RKW seit jeher täglich feiern. Dabei ist es ein Luxus, dass auf jeder Fahrt ein Geistlicher mitkommen kann, wie ich inzwischen weiß. Der Priester hebt die Hostie hoch. Anna die Zweite beugt sich rüber, flüstert: „Jetzt mampft er uns eins vor.“ Von Anna der Ersten und mir erntet sie ein Giggeln, von den Betreuern einen bösen Blick. Noch lange war dieser Satz ein geflügeltes Wort zwischen uns, wenn wir in den normalen Sonntagsmessen nebeneinander saßen.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit allen deinen Kräften und deinen Nächsten so wie dich selbst.“ Auf den RKWs singen wir viel. In welchem Jahr dieses Lied, „Höre Israel“, im Heft stand, weiß ich nicht mehr. Aber wir haben es auch noch Jahre später gesungen.

Sechste Klasse, meine letzte RKW als Kind: Wir sind groß geworden und frech. Aber wir passen auch ein bisschen besser auf in den Katechesen, fragen mehr. Wieso gehen einige der Helfer in der Messe nicht zur Kommunion?

Fünf Jahre später kenne ich die Antwort selbst, ich bin 17 und fahre zum zweiten Mal als Helferin mit. Weil ich den Gottesdienst damit zugebracht habe, die Kinder links und rechts neben mir ruhig zu halten, habe ich mich nicht aufs Beten konzentriert. Nun bin ich also diejenige, die nicht nach vorn geht, und die neuen Kinder diejenigen, die sich darüber wundern.

Als Helferin ist alles ganz anders – und fast noch schöner als früher. Wie damals in den frühen Zweitausendern sitze ich 2025 da und knüpfe Freundschaftsbänder. Nur, dass Kinder neben mir sitzen und lernen wollen, wie es geht. Inzwischen habe ich mehr RKWs als Helfer denn als Kind erlebt. Die Anzahl der Teilnehmer hat sich seither halbiert; es gibt weniger katholische Familien. Laut und wuselig ist es trotzdem. Mit dem Kichern und Quatschen im Gottesdienst kann ich gelassener umgehen. Denn erstaunlicherweise bekommen die Kinder trotzdem unglaublich viel mit. Während der Kommunion beginnt ein Erstklässler neben mir leise zu weinen – er fragt, wieso er keine Hostie bekommen hat. „Jetzt mampft er uns eins vor“ bleibt also auch in der neuen Generation Thema.
// Johanna Marin

 

Sommer = RKW

Wenn wir an die Sommerferien denken, denken wir sofort an die RKW. Seit acht Jahren sind wir mittlerweile immer in der ersten Ferienwoche dabei. Es ist eines der lustigsten und besten Erlebnisse des Jahres, immer wieder aufs Neue unvergesslich.

Am besten erzählen wir euch von den Sachen, die uns noch am meisten im Kopf geblieben sind: Dazu gehören zum Beispiel die Nachtwanderung und das Geländespiel (Schnitzeljagd) im Wald. Es war immer sehr aufregend und gruselig, am Startpunkt der Nachtwanderung zu stehen. Wir haben nur den dunklen Wald gesehen und die Geräusche der Leute vor uns gehört. Das Geländespiel war immer sehr lustig. In Teams mussten wir mithilfe einer Karte verschiedene Stationen im Wald ablaufen. Am Schluss gab es die Siegerehrung – da waren natürlich alle sehr gespannt, wie sie abgeschnitten haben.

Außerdem gab es fast jeden Tag die sogenannten „Kreise“. Das war ein Angebot von verschiedenen Aktivitäten, zwischen denen man wählen konnte. Dazu gehörten der Tischtennis-, Tanz-, Märchen-, Werwolf- und Sportplatzkreis. Wir sind meistens zum Sportplatz und zum Werwolfkreis gegangen. Es war sehr schön und lustig, Volleyball zu spielen, und sehr aufregend, zu sehen, welche Rolle man beim Werwolfkartenspiel bekommt. In unserer Freizeit haben wir außerdem Tischtennis gespielt.

Was wir noch gar nicht erwähnt haben, ist, dass alles, was wir bei der RKW machen, mit Gott und dem Glauben zu tun hat. Schließlich steht RKW für „religiöse (!) Kinderwoche“. Es war schön und cool gemacht, wie man den Glauben mit allem verbunden hat. Zum Beispiel gab es jeden Morgen eine Katechese, bei der wir viel Neues erfahren haben, was wir noch nicht wussten. Dieses Jahr war das Thema „Psalmen“. Die Betreuer haben es geschafft, die Katechesen lustig, aber trotzdem noch so zu gestalten, dass wir alle was gelernt haben.

Also, zusammenfassend bedeutet uns die RKW sehr viel. Es geht nicht nur um die Spiele und Aktivitäten an sich; man lernt dabei neue Freunde kennen und bildet eine Gemeinschaft. Es ist schade, dass wir nächstes Jahr nicht mehr dabei sein können, weil wir zu alt sind. Aber wir freuen uns schon, dass wir in zwei Jahren selber Betreuer sein dürfen!
// Luisa und Martha

tdh