Schulzeit

Mit einem Gottesdienst abschließen

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Eltern und Geschwisterkind sitzen in einer Kirchenbank
Nachweis

Thomas Osterfeld

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Am Schulabschlussgottesdienst nehmen oft auch Eltern und Geschwister teil.

Ein Abschlussgottesdienst muss sein, findet Religionslehrerin Ulrike Leidecker. Der Gottesdienst setzt einen Schlusspunkt unter die Schulzeit. Erst wenn man richtig Abschied genommen hat, kann etwas Neues beginnen. 


Für viele Lehrkräfte, die einen Abschlussjahrgang unterrichten, ist am Ende eines Schuljahres noch einiges zu tun. Die Arbeiten sind zwar geschrieben, aber es folgen noch mündliche Prüfungen. Wenn dann auch noch ein Abschlussgottesdienst vorbereitet werden soll, winken einige Kollegen und Kolleginnen ab. Nicht so Ulrike Leidecker: Sie ist Lehrerin an einer Realschule in Georgsmarienhütte (Kreis Osnabrück) und organisiert jedes Jahr gerne einen Abschlussgottesdienst. Dabei kommt ihr zugute, dass sie Erfahrungen in der Vorbereitung von Familiengottesdiensten hat. Außerdem gebe es für Schulabschlussgottesdienste viele Anregungen und Vorschläge im Internet, auf die man sich stützen könne.

Mit der Klasse ein Thema finden

Wichtig sei, den Gottesdienst gemeinsam mit der Abschlussklasse zu erarbeiten und ein Rahmenthema zu finden. Ulrike Leidecker hat in diesem Jahr mit ihren Schülerinnen und Schülern zusammen überlegt, was sich als roter Faden durch den Gottesdienst ziehen könnte.  Bei der Diskussion im Unterricht kam die Klasse auf das Thema Freiheit. „Diese Klasse freut sich sehr auf das Schulende als das Ende der Unfreiheit, die sie als Schülerinnen und Schüler empfunden haben“, sagt Leidecker. Vieles war durch schulische Zwänge geregelt, und für die Jugendlichen kamen noch die harten Jahre der Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen dazu.

Gestaltung planen

Nachdem ein Thema gefunden war, konnte über die Gestaltung des Gottesdienstes gesprochen werden. Leidecker, die in der Klasse kooperativen Religionsunterricht erteilt, ist auch die Klassenlehrerin, so dass sie die Verfügungsstunde in die Planungszeit mithineinnehmen kann. Die Jugendlichen einigten sich darauf, dass der Gottesdienst mit einer Performance beginnt (in Kirchensprache auch als Anspiel bekannt), bei der ein gefesselter Jugendlicher zu sehen ist; Schülerinnen und Schüler lesen vor, welche Namen die Fesseln tragen, von denen er befreit wird. Am Ende der Performance wird ein Video des deutschen Rap-Musikers Cro zu seinem Song „Freiheit“ gezeigt, das haben die Schülerinnen und Schüler ausgesucht – sie selbst habe beim Stichwort Freiheit zunächst an das gleichnamige Lied von Marius Müller-Westernhagen gedacht, sagt Leidecker.

Lesungstext und Fürbitten

Als Lesungstext wurde die Bibelstelle aus dem Buch Exodus ausgewählt, in der es um den Auszug der Israeliten aus Ägypten geht – zunächst schenkt der Pharao ihnen die Freiheit, später gibt es ein Murren, weil damit auch Unannehmlichkeiten verbunden sind. Fernab von Ägyptens Fleischtöpfen, mitten in der Wüste, wünschen sich einige in das Land ihrer Unfreiheit zurück. Auch die Fürbitten greifen das Thema auf. 
Für die Formulierung der Fürbitten hat Lehrerin Leidecker den Jugendlichen als Vorgabe mitgegeben, dass unter den Fürbitten auch solche für sie selbst, für ihre Eltern und für die Verstorbenen sein sollen. Außerdem sollen sie mit derselben Formel enden wie „Herr, wir bitten dich“ oder „Hilf uns“. Zum Ende des Gottesdienstes wird ein Segenstext folgen, den eine Gruppe aus der Klasse erarbeitet hat. „Ich füge das dann nur noch zusammen“, sagt Ulrike Leidecker. Die Texte des Gottesdienstes schickt sie dann an die Person, die den ökumenischen Gottesdienst leiten wird. Wenn die Schule in einer evangelischen Kirche zu Gast ist, predigt ein Vertreter der katholischen Kirche, findet es in einer katholischen Kirche statt, predigt die evangelische Pas­torin beziehungsweise der Pastor.

Musikauswahl

Bei der Musikauswahl greift Leidecker unter anderem auf bekanntere Gospellieder und auf das „Benediktbeurer Liederbuch“ des Don Bosco Verlags zurück. Im besten Fall könne man von den Kollegen, die Musikunterricht geben, unterstützt werden. Manche spielen ein Instrument und sind in der Kirche mit Gitarre oder Keyboard dabei, viele kennen sich dann auch mit der Technik aus. Manchmal gebe es auch einige Schülerinnen und Schüler, die privat im Chor singen und bereit zum Vorsingen sind. Man könne nicht davon ausgehen, dass die Lieder den Eltern oder Gottesdienstbesuchern bekannt seien, dennoch lässt die Schule für den Gottesdienst keine Zettel drucken, denn bei 400 oder 500 Zetteln sei das auch eine Kostenfrage. Ohnehin würden die meisten Zettel anschließend sofort weggeworfen.

Üben erforderlich

Ulrike Leidecker hat die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, mit der Klasse den Ablauf des Gottesdienstes zu üben. Vor allem das Sprechen am Mikrofon sei für viele ungewohnt. Man müsse sie daran erinnern, deutlich und langsam genug zu sprechen. Beim Üben werde man in der Regel gut von den Küstern und Küsterinnen unterstützt.

Fazit

Dass es einen Abschlussgottesdienst geben muss, findet Leidecker wichtig, denn der Gottesdienst sei die Gelegenheit, „das Gute und das, was nicht so gut war“, zu bedenken, um damit abschließen zu können. Sie sage den Jugendlichen immer: „Das ist Euer Gottesdienst. Egal, wie ihr sonst auf Kirche schimpft, diesen Gottesdienst könnt ihr so gestalten, wie Ihr wollt.“

Gute Textvorschläge

Ein gutes Werkheft zur Gestaltung von ökumenischen Abschlussgottesdiensten für neunte und zehnte Klassen haben Beschäftigte der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und des Bistums Fulda erarbeitet. Das Heft liegt als Arbeitshilfe auch im pdf-Format vor und kann im Internet heruntergeladen werden:
https://tinyurl.com/murbfw8h

Außerdem sind die Texte als Word-Dateien erhältlich, so dass man sie als Textbausteine sofort nutzen und eine selbst formulierte Fürbitte ergänzen kann. So kann man tatsächlich noch auf den letzten Drücker einen guten Gottesdienst vorbereiten. Es gibt im Werkheft außerdem einen Gottesdienstvorschlag in Einfacher Sprache, so dass auch Personen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die noch nicht lange in Deutschland leben, das meiste verstehen. Die Gottesdienste gliedern sich nach den Bausteinen Abschied, Verkündigung, Segnung und Neubeginn. Die Vorschläge lassen sich auch so anpassen, dass eine interreligöse Feier in der Schule möglich ist. Für den persönlichen Segen werden drei Stationen vorgeschlagen. An Station eins können Seelsorger eingesetzt werden, die die Hände über den Jugendlichen erheben und sagen: „Gott segne dich“, an Station zwei wird mit kostbarem Öl ein Kreuz in die Handfläche gezeichnet, verbunden mit dem Wunsch „Friede sei mit dir“. An Station drei kann jemand ein Segenswort für den Teenager vorlesen, dies eignet sich auch für konfessionslose Schüler und Schülerinnen. Die Jugendlichen können eine Station auswählen. Das Heft kann auch für die Vorbereitung eines Gottesdienstes für Abiturienten genutzt werden. 

Weitere Beispiele für Gottesdienste an Gymnasien sind auf der Internetseite des Bistums Eichstätt: https://tinyurl.com/5frudj9z

Ein schönes Beispiel für einen Schulabschlussgottesdienst mit Viertklässlern einer Grundschule legt Annette Steck vor, zu finden unter Dokumente im Internetportal der Schulpast­oral der Diözese Rottenburg Stuttgart, zum Thema Schatz (schulpastoral.drs.de). Es gibt einen kindgerechten Text des Psalms 139, die Lesung wird aus der Bibel in Leichter Sprache entnommen, die Kinder spielen die Geschichte von dem Mann, der einen Schatz fand, nach. Verabschiedet werden sie mit einem Segen
 

„Ich wünsche dir für jeden Tag deines Lebens, 
dass da jemand ist, der dir hilft.
Dass da jemand ist, der dich tröstet. 
Dass da jemand ist, der dich hält. 
Dass da jemand ist, der dich begleitet.“ (kol)

 

Andrea Kolhoff